Orthopädie und Unfallmedizin


Hand

Arthrosen der Fingergelenke

Fingergelenksarthrose. Mit Schwellungen, Schmerzen und Kraftminderung einhergehender Verschleiß der Fingergelenke. Neben einer genetischen Veranlagung sollen auch hormonelle Komponenten für die Entwicklung der Fingergelenksarthrosen eine Rolle spielen. Weitere mögliche Ursachen sind die Überlastung der Gelenke (z. B. durch Handarbeiten) oder Fehlstellungen nach schlecht verheilten Knochenbrüchen oder Bandverletzungen.

Je nach Lage der Arthrose werden verschiedene Sonderformen unterschieden. Die Bouchard-Arthrose betrifft die Fingermittelgelenke und kommt bei Männern und Frauen etwa gleich häufig vor. Die Heberden-Arthrose befällt vor allem die Fingerendgelenke, Frauen leiden etwa zehnmal häufiger darunter als Männer. Auch die Arthrose des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose) ist bei Frauen häufiger (mehr dazu siehe dort).

Behandelt werden Fingergelenksarthrosen zunächst konservativ mit Handbädern, gezielten Bewegungsübungen und Schmerzmitteln. Bei stärkeren Beschwerden kommen Gelenkinjektionen oder handchirurgische Verfahren wie z. B. die Gelenkversteifung zum Einsatz.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Bewegungsschmerz, Druckschmerz, später auch Ruheschmerz an den Fingergelenken
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung, v. a. nach längerer Ruhe (Morgensteifigkeit), Verminderung der Kraft
  • Schwellung, knotige Auftreibung. Zweihöckrige Anschwellung an der Streckseite der Fingerendgelenke (Heberden-Knoten) bei der Heberden-Arthrose, Anschwellung an der Streckseite der Fingermittelgelenke (Bouchard-Knoten) bei der Bouchard-Arthrose
  • In fortgeschrittenen Stadien Gelenkfehlstellungen und Gelenkversteifungen.

Wann in die Arztpraxis

Bei Gelegenheit, wenn

  • über längere Zeit Schmerzen oder Auftreibungen der Fingergelenke bestehen.

Die Erkrankung

Wie alle Gelenke sind auch die Fingergelenke im Verlauf des Lebens von einem gewissen Verschleiß betroffen. Der Knorpel wird dünner und rauer, sodass sich die Belastung nicht mehr gleichmäßig auf die Gelenkfläche verteilt und sich stärker beanspruchte Bereiche weiter abnutzen. Der darunter liegende Knochen reagiert mit Neubildungen, es entstehen Knochenanbauten (Osteophyten). Die Gelenkhaut bildet vermehrt Gelenkflüssigkeit, das Gelenk schwillt an. Als Folge wird die Gelenkkapsel gespannt und schmerzt (aktivierte Arthrose). All diese Prozesse unterhalten und verstärken sich gegenseitig, sodass Abbau und Verschleiß (Degeneration) immer weiter voranschreiten.

Warum bei manchen Menschen die Fingergelenke früher verschleißen als bei anderen, ist unklar. Diskutiert werden folgende Ursachen:

  • Hormonelle Faktoren. Dies scheint bei der Heberden-Arthrose eine große Rolle zu spielen, da vor allem Frauen in und nach den Wechseljahren diese Form der Fingergelenksarthrosen entwickeln.
  • Genetische Veranlagung. Fingergelenksarthrosen kommen familiär gehäuft vor, eine genetische Veranlagung ist deshalb wahrscheinlich.
  • Überbeanspruchung der Finger und Hände. Auch wenn die Kräfte an den Fingergelenken nur relativ klein sind, kann es durch wiederholte, monotone Bewegungen wie bei Handarbeiten oder feinmechanischen Tätigkeiten zu einer übermäßigen Belastung und dadurch zu vermehrtem Verschleiß kommen.
  • Gelenkerkrankungen und Verletzungsfolgen. Fehlstellungen nach schlecht verheilten Knochenbrüchen, Verrenkungen oder Strecksehnenschädigungen begünstigen die Entwicklung einer Arthrose ebenso wie Gelenkentzündungen oder ein Ganglion (Überbein).
  • Grunderkrankungen wie z. B. die Gicht, Rheumatoide Arthritis oder Diabetes führen zu sekundären, also auf einer Erkrankung beruhenden Fingergelenksarthrosen.

Klinik

Fingergelenksarthrosen machen sich durch Schmerzen, Bewegungs- und Krafteinschränkung bemerkbar. Je nach Form und Lokalisation können sie in unterschiedlicher Reihenfolge auftreten.

Die Heberden-Arthrose beginnt oft mit der Verdickung der Fingerendgelenke, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen kommen erst später dazu. Sie kann sich auch weiter ausbreiten und die anderen Fingergelenke, z. B. das Daumensattel- und Handgelenk betreffen. Die Bouchard-Arthrose der Fingermittelgelenke fängt dagegen eher mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen an, erst später kommen Schwellungen hinzu. Bouchard- und Heberden-Arthrose treten auch häufig gemeinsam auf.

Verlauf

Fingergelenkarthrosen entwickeln sich sehr individuell – zwischen schmerzhaften, besonders aktiven Phasen gibt es auch beschwerdefreie Zeiten, die allerdings im Verlauf der Erkrankung meist immer kürzer andauern. Schreitet die Erkrankung fort, entstehen zunehmende Knorpelschäden – später auch Knochenschäden –, schmerzhafte Verformungen und Versteifungen an den Fingergelenken.

Diagnosesicherung

Häufig sind die Gelenkschwellungen sowie die Schilderung der Schmerzen und Beschwerden schon ein deutlicher Hinweis auf eine Fingergelenksarthrose. Fragen nach Arthrosefällen in der Familie, nach Handverletzungen und der beruflichen Tätigkeit runden das Bild ab. Bei der Untersuchung der Hand prüft die Ärzt*in dann jeden Finger einzeln auf Beweglichkeit, Schwellung, Schmerzen und die Zeichen einer Entzündung wie z. B. Rötung oder Überwärmung.

Gesichert wird die Diagnose mit Röntgenbildern. Hier zeigen sich die typischen Veränderungen wie Gelenkspaltverschmälerung, Knochenanbauten (Osteophyten) und Änderungen in der Struktur des gelenknahen Knochens (Verdichtungen). Bei plötzlicher Verschlechterung lässt sich mit Blutuntersuchungen klären, ob ein akuter Arthroseschub oder eine rheumatische Erkrankung wie die Rheumatoide Arthritis vorliegt.

Differenzialdiagnosen. Ähnliche Beschwerden macht die Rheumatoide Arthritis, die auch ihrerseits eine Gelenksarthrose begünstigen kann sowie die Tendovaginitis de Quervain und die Handgelenksarthrose.

Behandlung

Konservativ

Zunächst wird versucht, die Beschwerden mit konservativen Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Neben der Schmerzbekämpfung ist dabei besonders der Erhalt oder die Verbesserung der Beweglichkeit der Finger von Bedeutung. Je nach Stadium der Erkrankung stehen folgende Therapien zur Verfügung:

  • Physiotherapie. Hier sind im aktivierten, schmerzhaften Stadium vor allem Kälteanwendungen angezeigt, weil Kälte die Entzündung eindämmt. Manche Patient*innen profitieren auch von der Behandlung mit Reizstrom.
  • Schmerzmedikamente. Bei starken Schmerzen verordnet die Ärzt*in schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®), Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) oder Etoricoxib (z. B. Arcoxia®). Diese können in Tablettenform eingenommen werden, manche gibt es auch als Gel oder Salbe zum Einreiben.
  • Kortisonspritzen. Die Injektion von Kortison in den Gelenkspalt lindert die Schmerzen und dämmt die Entzündung ein. Problematisch ist allerdings, dass Kortison Knorpel, Knochen und Bänder dauerhaft schädigen kann, vor allem, wenn es wiederholt gespritzt wird. Aus diesem Grund raten Expert*innen von mehr als 2 bis 3 Wiederholungen meist ab.
  • Hyaluronsäure- und Orthokininjektionen. Sowohl das Einspritzen von Hyaluronsäure als auch von Orthokin wird von manchen Ärzt*innen auch zur Behandlung der Fingergelenksarthrose empfohlen. Ihre Wirkung ist jedoch umstritten, weshalb die Gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten nicht übernehmen.

Operativ

Die operative Behandlung wird erst empfohlen, wenn die oben genannten Verfahren nicht greifen, d. h. die Schmerzen nicht beherrschbar sind oder die Bewegungseinschränkungen den Alltag stark erschweren. Infrage kommen dafür:

  • Denervation. Bei dieser Operation werden über mehrere kleine Schnitte bis zu zehn schmerzleitende Nervenäste der drei Handnerven durchtrennt. Die Muskelfunktion und das Gefühl an der Hand bleiben dabei erhalten. Durchgeführt wird der Eingriff in lokaler Betäubung oder Vollnarkose.
  • Arthroskopische Behandlung. Im Rahmen einer Gelenkspiegelung kann die Ärzt*in den Knorpel glätten sowie entzündetes Gewebe und Knötchen entfernen. Diese Verfahren sind nur in relativ frühen Stadien der Arthrose erfolgreich.
  • Arthrodese (Versteifungsoperation). Bei starken Beschwerden wird die komplette Versteifung des Fingergelenks in leichter Beugestellung empfohlen. Vor allem an den Fingerendgelenken, also bei der Heberden-Arthrose, ist dieses Verfahren angezeigt. Auch am Mittelgelenk des Zeigefingers raten Ärzt*innen meist zu einer Versteifung, da beim wichtigen Spitzgriff (hier wird ein kleiner Gegenstand zwischen Zeigefinger- und Daumenkuppe gehalten) und beim Schlüsselgriff (der Griff zum Drehen eines Schlüssels) der Zeigefinger als Gegenspieler zum Daumen eine hohe Stabilität benötigt. Bei einer Versteifungsoperation entfernt die Handchirurg*in das zerstörte Gelenk über einen kleinen Hautschnitt und verbindet die beiden Restknochen mithilfe von Schrauben oder Drähten fest miteinander. Nach einer etwa vierwöchigen Ruhigstellung wird das Metall wieder entfernt. In der Regel kommt es durch die Operation zu einer deutlichen Schmerzreduktion, häufig verschwinden die Schmerzen auch ganz.
  • Fingergelenksprothese. Der Ersatz eines zerstörten Fingergelenks mit einer künstlichen Prothese kommt am ehesten bei Grund- und Mittelgelenkarthrosen in Frage. Voraussetzungen sind jedoch intakte Bandstrukturen, funktionierende Sehnen und ein ausreichend stabiles Knochengewebe, das die Prothesenschäfte halten kann. Beweglichkeit und Schmerzreduktion sind nach dem Einpflanzen meist gut. Extreme Belastungen müssen allerdings vermieden werden, je nach Material kann das neue Gelenk mit bis zu 5 Kilo belastet werden. Auch nach dem Einpflanzen eines Kunstgelenks werden Finger und Hand zunächst auf einer Gipsschiene gelagert und ruhiggestellt. Ist der Finger abgeschwollen, kommt er für 6 Wochen in eine Fingerhülse, die jeweils zur Krankengymnastik abgelegt wird.

Prognose

Die Fingergelenksarthrose kann nicht geheilt werden, sie schreitet kontinuierlich voran. Wie gut konservative Therapien den Verlauf aufhalten können, ist individuell sehr verschieden. Ist eine Operation erforderlich, kann diese die Schmerzen in der Regel sehr gut reduzieren und dadurch die Lebensqualität verbessern.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Entlasten. Wenn Ihnen das Öffnen und Schließen von Dosen oder Flaschen schwerfällt, nutzen Sie Hilfsmittel wie elektronische Dosenöffner oder spezielle Flaschenöffner. Auch das Tragen schwerer Einkaufstaschen oder Aktenkoffer beansprucht Hand und Handgelenk. Für solche Transporte sind Trolleys oder Rucksäcke besser geeignet.

Fingerübungen. Bei Fingergelenksarthrosen ist es sehr wichtig, die Beweglichkeit der Finger zu erhalten. Machen Sie zu diesem Zweck Knetübungen mit Sand, den sie vorher (z. B. in der Mikrowelle) erwärmt haben, mit einem Küchenschwamm oder mit einem Squashball in lauwarmem Wasser, am besten zweimal täglich. 5 Minuten täglich reichen aus, um ein Steifwerden des Gelenks zu verzögern.

Physikalische Therapie. Wärmeanwendungen wie erwärmte Heublumensäckchen lindern die Beschwerden im chronischen Stadium. Bei einer aktivierten Arthrose, also im akuten Entzündungsstadium, ist Kälte besser. Gut geeignet sind kalte Umschläge oder Kältepackungen mit eis- oder kühlschrankgelagertem Quark bzw. Moor. Die Packungen sollten mehrmals täglich direkt auf die Hand- oder Fingergelenke gelegt werden.

Pflanzenheilkunde. Häufig eingesetzte standardisierte Pflanzenextrakte basieren auf Heilpflanzen, die sich v. a. durch stoffwechsel- oder durchblutungsfördernde sowie schmerzlindernde Wirkungen auszeichnen. Allen voran stehen dabei Brennnesselblätter, Ackerschachtelhalmkraut und Löwenzahn. In vielen Fällen bietet sich eine längerfristige Anwendung an, z. B. in Form einer Teekur (z. B. Gerner® Rheumatee). Ansonsten kommen zur Linderung abnutzungsbedingter Gelenkschmerzen die gleichen Phytotherapeutika in Betracht wie zur Behandlung einer rheumatoiden Arthritis.

Enzymtherapie. Manche Patient*innen mit Neigung zu häufigen Entzündungen (aktivierte Arthrosen) haben mit der Einnahme von Enzympräparaten gute Erfahrung gemacht. Beispiele dafür sind das Ananasenzym Bromelain in hoher Dosierung einzeln (z. B. Bromelain-Pos®) oder in Kombination mit anderen Enzymen (z. B. mit dem Pankreasenzym in Wobenzym® N) in Tabletten- oder Pulverform.

Nahrungsergänzungsmittel. Der Markt bietet vielerlei Nahrungsergänzungsmittel, denen knorpelschützende bzw. die Knorpelregeneration anregende Wirkungen zugeschrieben werden. Sie werden meist in Form von Kapseln eingenommen, ihre Wirkung ist umstritten. Nach einigen Studien sollen Avocado-Soja-Öle, die sich durch einen besonders hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren auszeichnen, das Voranschreiten einer Arthrose (im Frühstadium) aufhalten. Lange wurden auch Grünlippmuschelextrakte empfohlen, eine Wirkung konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Wie alle Therapieansätze, die direkt auf den Gelenkknorpel selbst Einfluss nehmen (sollen), haben sie sicher keinen Effekt mehr, wenn der Knorpel bereits stark geschädigt bzw. kaum oder gar nicht mehr vorhanden ist – in diesem Fall ist die Einnahme wirkungslos.

Für andere Extrakte, etwa aus Mikroalgen, Haifischknorpel oder Perilla-Öl, steht ein wissenschaftlicher Nachweis ihrer therapeutischen Wirksamkeit bislang vollständig aus.

Arthrosen des Handgelenks

Handgelenksarthrose (Radiokarpalarthrose): Seltene, aber erheblich einschränkende Verschleißerscheinung (Degeneration) des Handgelenks, die sich mit starken Schmerzen, angeschwollenem Handrücken und reduzierter Beweglichkeit der Hand bemerkbar macht. Ursachen sind z. B. alte Verletzungen oder Überlastungen, manchmal bleibt der Auslöser auch unklar. Die Handgelenksarthrose schreitet in der Regel unaufhaltsam fort. Wenn eine konservative Behandlung, z. B. mit Knetübungen, Wärme oder Schmerzmitteln, nicht mehr ausreichend hilft, sind operative Maßnahmen in Erwägung zu ziehen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Bewegungsschmerzen, später auch Schmerzen in Ruhe
  • Schwellung im Bereich des Handgelenks und am Handrücken
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung, v. a. nach längerer Ruhe (Morgensteifigkeit)
  • In fortgeschrittenen Stadien knotige Auftreibungen, Gelenkfehlstellungen und Gelenkversteifungen.

Wann in die Arztpraxis

Bei Gelegenheit, wenn

  • über längere Zeit Schmerzen oder Schwellung des Handgelenks bestehen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Ursachen

Das Handgelenk wird von der Speiche (Radius) und den drei gegenüberliegenden Handwurzelknochen (Kahnbein, Mondbein und Dreieckbein) gebildet. Das Gelenk ermöglicht die Bewegung der Hand in vier Richtungen: Nach oben und unten sowie nach rechts und links.

Kommt es zu einem übermäßigen Verschleiß des Gelenks, spricht man von einer Handgelenksarthrose. Gründe für arthrotische Veränderungen gibt es viele:

  • Fehlstellungen der Knochen nach Brüchen (Kahnbeinbruch, Speichenbruch) oder Bandverletzungen wie z. B. die Skapulolunäre Bandverletzung (SL-Verletzung, hier ist das Band betroffen, das Kahnbein und Mondbein eng zusammenhält)
  • Überlastungen durch Zwangshaltung und/oder monotone Tätigkeiten
  • Rheumatoide Arthritis, Gelenkentzündungen oder als Begleiterscheinung eines Ganglions (Überbeins) am Handgelenk
  • Knochennekrosen von Handwurzelknochen, z. B. Morbus Kienböck
  • angeborene Fehlstellungen des Gelenks (z. B. die Madelung-Deformität, eine Wachstumsstörung des Unterarms).

In manchen Fällen bleibt die Ursache der Erkrankung auch ungeklärt. Hier spricht man dann häufig von einer primären Handgelenksarthrose (im Gegensatz zu den sekundären Handgelenksarthrosen aufgrund der oben genannten Ursachen).

Klinik und Verlauf

Die Beschwerden bei einer Handgelenksarthrose werden mit der Zeit immer stärker. Erst kommt es nur unter Belastung zu Schmerzen, später auch in Ruhestellung. Auch die Beweglichkeit ist dann eingeschränkt. Charakteristisch ist zudem, dass immer wieder akute Schübe auftreten. Das dann akut entzündete Gelenk ist in diesen Phasen überwärmt, geschwollen und gerötet. Ausgelöst werden Arthroseschübe z. B. durch eine plötzliche starke Überlastung, diskutiert wird auch der Einfluss von Infektionen wie beispielsweise der Grippe.

Unbehandelt schreiten die Schäden am Knorpel immer weiter fort – bis es auch zu Knochenschäden, schmerzhaften Verformungen und Versteifungen am Handgelenk kommt. Im Endstadium ist das Gelenk komplett versteift und funktionsuntüchtig.

Diagnosesicherung

Schmerzen und Bewegungseinschränkung deuten auf ein Geschehen am Handgelenk hin. Vor allem im frühen Stadium ist für viele Patient*innen der vorübergehende Anlaufschmerz nach einer Ruhephase typisch. Liegt eine aktivierte, akute Arthrose vor, ist die Hand überwärmt, geschwollen und gerötet. Manchmal kann die Ärzt*in auch die arthrotischen Knochenanbauten ertasten.

Gesichert wird die Diagnose mit dem Röntgenbild. Besteht die Arthrose schon länger, zeigen sich dort typische Arthrosezeichen wie die Gelenkspaltverschmälerung, raue Gelenkflächen, Knochenanbauten (Osteophyten) und eine Verdichtung des gelenknahen Knochens. Im Frühstadium, wenn noch keine röntgenologischen Veränderungen nachweisbar sind, kann die Ultraschalluntersuchung wertvolle Hinweise liefern. Hier lassen sich Schwellungen, entzündliche Veränderungen und Flüssigkeitseinlagerung in der Gelenkkapsel nachweisen. Selten ist eine Gelenkspiegelung nötig, vor allem, wenn als Differenzialdiagnose eventuelle Bandverletzungen der Handwurzelknochen im Raum stehen.

Differenzialdiagnosen. Ähnliche Beschwerden verursachen andere Arthrosen im Bereich der Hand wie die Rhizarthrose oder die Arthrose im SST-Gelenk (Scapho-Trapezo-Trapezoidalgelenk) sowie die Rheumatoide Arthritis, die Tendovaginitis de Quervain oder auch eine Gicht. Weitere wichtige Differenzialdiagnosen sind Verletzungen, z. B. die SL-Bandverletzung, d. h. die Verletzung des Bandes zwischen Mondbein und Kahnbein, oder Brüche im Bereich von Handwurzel und Unterarm (Speichenbruch, Kahnbeinbruch).

Behandlung

Konservativ

Zunächst wird versucht, die Beschwerden mithilfe konservativer Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Neben der Schmerzbekämpfung ist dabei besonders der Erhalt (oder die Verbesserung) der Beweglichkeit des Handgelenks und der gesamten Hand von Bedeutung. Je nach Stadium der Erkrankung stehen folgende Therapien zur Verfügung:

  • Physiotherapie. Hier sind im aktivierten, schmerzhaften Stadium vor allem Kälteanwendungen angezeigt. Manche Patient*innen profitieren auch von der Behandlung mit Reizstrom.
  • Ruhigstellung. Bei sehr starken Schmerzen sollte das Gelenk kurzfristig ruhiggestellt werden. Das ist mit einem Gips, aber auch mit einer Handgelenksbandage oder einer Orthese möglich. Bandagen oder Orthesen sollten jedoch nur zeitweilig getragen werden, da es sonst zu Einsteifungen und Muskelabbau und damit Bewegungseinschränkungen der Hand kommen kann.
  • Schmerzmedikamente. Bei starken Schmerzen verordnet die Ärzt*in schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®), Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) oder Etoricoxib (z. B. Arcoxia®). Diese können in Tablettenform eingenommen werden, manche gibt es auch als Gel oder Salbe zum Einreiben.
  • Kortisonspritzen. Die Injektion von Kortison in den Gelenkspalt lindert die Schmerzen und dämmt die Entzündung ein. Problematisch ist allerdings, dass Kortison Knorpel, Knochen und Bänder dauerhaft schädigen kann, vor allem, wenn es wiederholt gespritzt wird. Aus diesem Grund raten Expert*innen von mehr als 2 bis 3 Wiederholungen meist ab.

Operativ

Die operative Behandlung wird erst empfohlen, wenn die oben genannten Verfahren nicht greifen, d. h. die Schmerzen nicht beherrschbar sind oder die Bewegungseinschränkungen den Alltag erschweren. In Frage kommen dafür:

  • Handgelenksdenervation. Bei dieser Operation werden über mehrere kleine Schnitte bis zu zehn schmerzleitende Nervenäste der drei Handnerven durchtrennt. Die Muskelfunktion und das Gefühl an der Hand bleiben dabei erhalten. Etwa 60 % bis 70 % der Patient*innen haben danach für mehrere Jahre weniger oder keine Schmerzen mehr. Durchgeführt wird der Eingriff in lokaler Betäubung oder Vollnarkose.
  • Arthroskopische Behandlung. Im Rahmen einer Gelenkspiegelung kann die Ärzt*in den Knorpel glätten und entzündetes Gewebe entfernen. Manchmal wird auch die Gelenkfläche angebohrt, damit über das Blut Stammzellen einwandern und neuen Knorpel bilden können (dies nennt man Mikrofrakturierung). Diese Verfahren sind nur in relativ frühen Stadien der Arthrose erfolgreich.
  • Arthrodese (Versteifungsoperation). Bei starken Beschwerden wird die teilweise oder komplette Versteifung des Handgelenks in einer funktionsgünstigen Stellung (meist leicht nach oben gestreckt) empfohlen. Dazu gibt es verschiedene Verfahren, bei denen die Ärzt*in zunächst die betroffenen Gelenkflächen entknorpelt und manchmal auch komplette Handwurzelknochen entfernt. Danach werden die verbliebenen Knochen mit Drähten oder Schrauben verbunden, damit sie zusammenwachsen und "einsteifen". Die komplette Versteifung des Handgelenks, bei der nur noch die Finger beweglich sind, wird heute möglichst vermieden. Bei den verschiedenen Teilarthrodese-Verfahren wird nur dort versteift, wo tatsächlich verschlissener Knorpel gesessen hat. Dadurch bleibt eine Restbeweglichkeit im Handgelenk erhalten. Was die Schmerzen betrifft, ist die Erfolgsquote der Arthrodese sehr gut, bei den meisten Patient*innen sind diese nach dem Eingriff verschwunden.
  • Handgelenksprothese. Das Einpflanzen einer Handgelenksprothese ist prinzipiell möglich, kommt aber nur in Betracht, wenn sämtliche Handwurzelgelenke von der Arthrose betroffen und schwer geschädigt sind. Beweglichkeit und Schmerzreduktion sind nach dem Einpflanzen einer Handgelenksprothese gut. Allerdings kann auch die Prothese verschleißen und sich lockern, was einen erneuten Eingriff erforderlich macht. Für Personen, die schwer arbeiten, ist ein solches Kunstgelenk nicht geeignet, hier empfiehlt sich die komplette Versteifung.

Prognose

Die Erfolgsaussichten der verschiedenen Behandlungsverfahren hängen stark vom individuellen Fall ab, z. B. vom Ausgangsbefund, eventuellen Grunderkrankungen (z. B. einer Rheumatoiden Arthritis), der Operationsmethode und der Mitarbeit der Patient*in in puncto postoperative Übungen.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Entlastung. Schonen Sie das betroffene Handgelenk. Wenn Ihnen das Öffnen und Schließen von Dosen oder Flaschen schwerfällt, nutzen Sie Hilfsmittel wie elektronische Dosenöffner oder spezielle Flaschenöffner. Auch das Tragen schwerer Einkaufstaschen oder Aktenkoffer geht auf Hand und Handgelenk, für solche Transporte sind Trolleys oder Rucksäcke besser geeignet.

Übungen. Bei Handgelenksarthrosen empfehlen sich regelmäßige Übungen, die sich ganz einfach zwischendurch im Alltag einflechten lassen. 5 Minuten täglich reichen aus, um ein Steifwerden der Gelenke zu verzögern.

  • Lassen Sie Ihr Handgelenk in beide Richtungen kreisen, öffnen und schließen Sie Ihre Hand zur Faust oder führen Sie jeden Finger abwechselnd zum Daumen.
  • Strecken Sie die Daumen nach oben und lassen Sie sie abwechselnd in beide Richtungen kreisen.
  • Legen Sie bei gestreckten Ellenbogen beide Handrücken vor sich auf eine Tischplatte, die Fingerspitzen zeigen zu Ihrem Körper. Gehen Sie rückwärts und lassen Sie die Hände auf dem Tisch liegen. Auf diese Weise geht das Handgelenk in Beugung.

Physikalische Therapie. Wärmeanwendungen wie erwärmte Heublumensäckchen lindern die Beschwerden im chronischen Stadium. Bei einer aktivierten Arthrose helfen dagegen Kälteanwendungen wie kalte Umschläge oder Kältepackungen in Form von eis- oder kühlschrankgelagerten Quark- bzw. Moorpackungen. Diese sollten mehrmals täglich direkt auf das Handgelenk gelegt werden.

Pflanzenheilkunde. Häufig eingesetzte standardisierte Pflanzenextrakte basieren auf Heilpflanzen, die sich v. a. durch stoffwechsel- oder durchblutungsfördernde sowie schmerzlindernde Wirkungen auszeichnen, allen voran Brennnesselblätter, Ackerschachtelhalmkraut und Löwenzahn. In vielen Fällen bietet sich eine längerfristige Anwendung an, z. B. in Form einer Teekur (z. B. Gerner® Rheumatee). Ansonsten kommen zur Linderung abnutzungsbedingter Gelenkschmerzen die gleichen Phytotherapeutika in Betracht wie zur Behandlung einer Rheumatoiden Arthritis.

Enzymtherapie. Manche Patient*innen mit Neigung zu häufigen Entzündungen (aktivierte Arthrosen) haben mit der Einnahme von Enzympräparaten gute Erfahrung gemacht. Beispiele dafür sind das Ananasenzym Bromelain in hoher Dosierung einzeln (z. B. Bromelain-Pos®) oder in Kombination mit anderen Enzymen (z. B. mit dem Pankreasenzym in Wobenzym® N) in Tabletten- oder Pulverform.

Nahrungsergänzungsmittel. Der Markt bietet vielerlei Nahrungsergänzungsmittel, denen knorpelschützende bzw. die Knorpelregeneration anregende Wirkungen zugeschrieben werden. Sie werden meist in Form von Kapseln eingenommen, ihre Wirkung ist umstritten.

Für andere Extrakte, etwa aus Mikroalgen, Haifischknorpel oder Perilla-Öl, steht ein wissenschaftlicher Nachweis ihrer therapeutischen Wirksamkeit bislang vollständig aus.

Bandverletzung am Handgelenk

Bandverletzungen am Handgelenk: Zerrung, Teilriss oder Riss eines der Bänder, die die Handwurzelknochen untereinander oder mit den Unterarmknochen verbinden. Ursache ist eine ungewöhnlich starke Krafteinwirkung auf das Handgelenk, z. B. bei Stürzen im Rahmen eines Sportunfalls. Bandverletzungen am Handgelenk machen sich meist durch Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkungen bemerkbar. Zerrungen und Teilrisse heilen durch mehrwöchige Ruhigstellung in Schiene oder Gips in der Regel gut aus. Komplette Bänderrisse oder Bandausrisse erfordern dagegen oft eine operative Versorgung.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzen im Handgelenk in Ruhe, verstärkt bei Bewegung
  • Bei Riss des SL-Bandes (Band zwischen Kahnbein und Mondbein) manchmal nur Schmerzen bei bestimmten Bewegungen, z. B. beim Aufstützen auf die Hand
  • Schwellung des Handgelenks
  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Hand
  • Bluterguss.

Wann in die Arztpraxis

Am gleichen Tag, bei

  • starken Beschwerden nach einer Verletzung der Hand.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Schmerzen und Schwellung nach einer vermeintlichen Verstauchung nicht besser werden.

Die Erkrankung

Das Handgelenk besteht aus einem proximalen (körpernahen) und einem distalen (körperfernen) Gelenk, die gemeinsam eine funktionelle Einheit bilden. Beide Gelenke werden durch zahlreiche Bänder stabilisiert und in ihrer Bewegung geführt. Diese sind im Handgelenk in vier Richtungen möglich: Beugung und Streckung (Hand nach oben und nach unten) sowie das Abspreizen der Hand nach rechts und links. Mit diesem Bewegungsumfang handelt es sich beim Handgelenk um ein sogenanntes "Eigelenk".

Das proximale Handgelenk besteht aus den Enden von Elle und Speiche und den 3 Handwurzelknochen (Kahnbein, Mondbein und Dreiecksbein). Seine schlaffe Gelenkkapsel wird von mehreren Bändern verstärkt. Für Stabilität sorgen an den beiden Außenseiten zwei kräftige Seitenbänder. An der Ober- und Unterseite der Hand verläuft zudem jeweils ein Band zwischen Speiche und Handwurzelknochen und zwischen Elle und Handwurzelknochen.

Das distale Handgelenk befindet sich zwischen den beiden Reihen der Handwurzelknochen und wird ebenfalls von einer schlaffen Gelenkkapsel umgeben. Durch den S-förmigen Gelenkspalt und die kurzen, straffen Bänder zwischen den benachbarten Handwurzelknochen ist die Beweglichkeit des distalen Handgelenks relativ eingeschränkt.

Krankheitsentstehung und Verlauf

Kommt es durch eine Krafteinwirkung zu einer über das natürliche Maß hinausgehenden Bewegung des Handgelenks, werden dessen Bänder überdehnt (Zerrung oder Distorsion), angerissen oder sogar komplett gerissen. In der Folge wird das Handgelenk instabil. Unbehandelt entwickeln sich Fehlstellungen der Knochen, wodurch die Gelenke falsch belastet werden. Dadurch drohen Knorpelschäden und schließlich die Arthrose.

SL-Bänderriss (Riss des Skapholunären Bandes)

Beim Sturz auf das innere Handgelenk ist die Krafteinwirkung auf die beiden Handwurzelknochen Kahnbein und Mondbein besonders groß. Deshalb kommt es hier nicht nur oft zu Knochenbrüchen (Kahnbeinbruch), auch das die beiden Knochen verbindende Skapholunäre Band (SL-Band) ist gefährdet. Dieses Band ist besonders kräftig und sorgt für die Stabilität von Kahnbein (Os scaphoideum) und Mondbein (Os lunatum). Das ist wichtig, weil diese beiden Handwurzelknochen im proximalen Handgelenk die Gegenspieler für die Speiche sind. Reißt das stabilisierende SL-Band, weichen die beiden Handwurzelknochen auseinander und das Handgelenk wird instabil. Dadurch entwickeln sich zunehmend Schmerzen bei Bewegungen (vor allem beim Aufstützen) und die Kraft im Handgelenk nimmt ab. Häufig wird die SL-Verletzung zunächst nur als Verstauchung fehlgedeutet. Betroffene gehen erst Wochen nach dem Unfall zur Ärzt*in, weil sich die Beschwerden langsam verschlimmern. Liegen mehr als 2 Monate zwischen Bandverletzung und Diagnose, ist eine einfache operative Versorgung wie das Zusammennähen der Bandenden meist nicht mehr möglich.

Ursachen und Risikofaktoren

Typische Ursachen sind Stürze auf die Hand, z. B. beim Skilaufen oder Snowboardfahren. Auch gewaltsame Verdrehungen der Hand können zu Bänderdehnung und Bänderriss führen. Sind die Bänder durch rheumatische Erkrankungen oder altersbedingten Verschleiß angegriffen, reichen oft schon geringere Krafteinwirkungen, um sie zu verletzen.

Komplikationen

Da die Bänder die Gelenkkapseln des Handgelenks verstärken, kann es je nach Ausmaß der Verletzung zusätzlich zu einem Kapselriss kommen.

Diagnosesicherung

Unfallgeschehen, Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung geben zwar einen deutlichen Hinweis auf den Ort der Verletzung. Zwischen einem Bruch und einer Bandverletzung lässt sich mithilfe der körperlichen Untersuchung kaum unterscheiden. Zum Ausschluss eines Knochenbruchs oder eines knöchernen Bandausrisses sind deshalb Röntgenaufnahmen unerlässlich. Diese werden meist in Normal- und in Funktionsstellung vorgenommen. Im Zweifel wird die Hand in Bewegung auch live durchleuchtet, manchmal ist sogar eine MRT-Aufnahme erforderlich.

Differenzialdiagnose. Wichtigste Differenzialdiagnose ist der Knochenbruch, z. B. der Kahnbeinbruch.

Behandlung

Zunächst lassen sich Schmerzen und Schwellung akut mithilfe der Sofortmaßnahmen nach der PECH-Regel lindern.

  • Pause: Hand sofort ruhigstellen und schonen.
  • Kühlen (Eis): Gelenk 15 bis 20 Minuten lang kühlen. Dabei dürfen Eiswürfel und Coolpacks nicht direkt, sondern nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut kommen, da sie sonst Kälteschäden hervorrufen.
  • Kompression (compression): Ein Kompressionsverband lindert das Anschwellen. Achtung, nicht zu stramm anlegen, damit Blutzu- und abfuhr gewährleistet bleiben!
  • Hochlagern. Das Hochlagern von Hand und Arm verhindert eine zu starke Durchblutung des Fingers und wirkt ebenfalls dem Anschwellen entgegen.

Bei starken Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ). Achtung: Aspirin (Acetylsalicylsäure) darf zur Schmerzbehandlung nicht verwendet werden, weil es blutverdünnend wirkt und es dadurch zu einer vermehrten Einblutung in das betroffene Gewebe kommen kann.

Hinweis: Bei Verletzungen der Hand sind Ringe, Armbänder und Uhren abzulegen, da das Anschwellen von Hand und Fingern droht.

Konservativ

Einfache Zerrungen und leichte Teilrisse von Bändern können konservativ behandelt werden. Wichtigste Therapiemaßnahme sind Ruhigstellen und Schonen. Dazu kommen Kunststoffschienen, Gipsverbände oder – im Falle einer Zerrung – auch Tapeverbände zum Einsatz. Wie lange die Hand ruhiggestellt wird, hängt vom Ausmaß der Verletzung ab: Bei Zerrungen reichen oft schon wenige Tage. Teilrisse von Bändern heilen dagegen in etwa 6 Wochen aus.

Operativ

Frische Verletzungen. Akute Bänderrisse oder Bänderrisse, die bis zu 6 bis 8 Wochen zurück liegen, werden operiert. Dazu näht man in einer offenen Operation die Bandenden wieder aneinander. Knöcherne Abrisse fixiert die Handchirurg*in mit Schrauben, für Bandausrisse aus dem Knochen gibt es spezielle Knochenanker zur Befestigung. Um die Ausheilung zu verbessern, werden einzelne Handwurzelgelenke zusätzlich mit Drähten stabilisiert, die dann nach etwa 8 Wochen wieder entfernt werden. Nach der Operation muss die Hand für einige Wochen ruhiggestellt werden, damit sie ausheilt.

Alte Verletzungen. Hier richtet sich die Therapie nach den Folgeschäden. Oft sind die gerissenen Bandenden geschrumpft oder vernarbt und die Handwurzelknochen durch Fehlstellungen arthrotisch geschädigt. Je nach Befund lassen sich die Bänder durch anderes Gewebe (z. B. Unterarmsehnen) ersetzen. Gelingt das nicht, ist eine Teilversteifung des Gelenks möglich, um zumindest eine schmerzfreie Teilbeweglichkeit im Handgelenk zu erhalten.

Prognose

Bei frühzeitiger Behandlung von Bandverletzungen am Handgelenk ist die Prognose gut. Einfache Zerrungen und Teilrisse heilen nach wenigen Wochen, operativ behandelte Bänderrisse nach etwa 2 Monaten aus.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Nicht ignorieren. Wenn Sie sich Ihr Handgelenk verstaucht haben und Schmerz und Schwellung werden innerhalb weniger Tage nicht besser werden, suchen Sie zur Sicherheit eine Arztpraxis auf. Vor allem Verletzungen des SL-Bandes sind anfangs oft diskret und leicht zu übersehen. Wird die Behandlung zu lange aufgeschoben, drohen dauerhafte Folgeschäden.

Einfetten der Operationsnarbe. Harte, feste Operationsnarben können auch am Handgelenk sehr stören. Cremen Sie die Narbenhaut nach Abnahme von Gips oder Schiene mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme ein, um sie geschmeidig zu halten.

Handgymnastik im Wasserbad. Nach der Ruhigstellung lässt sich die Hand besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5-mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser. Welche Bewegungen in welchem Ausmaß erlaubt sind, ist mit der behandelnden Ärzt*in abzuklären.

Prävention

Handgelenksbandagen. Vor allem bei Sportarten, bei denen Stürze auf die Hand häufig sind, lässt sich das Verletzungsrisiko durch das Tragen von Handgelenksbandagen oder -schonern verringern.

Technik erlernen. Verletzungen der Hand drohen bei vielen Tätigkeiten. Vor allem beim Sport lassen sich Unfälle vermeiden, wenn man die Technik gut beherrscht. Bei Sportarten mit hohem Sturzrisiko ist ein Falltraining sinnvoll.

Bandverletzungen am Finger

Bandverletzungen am Finger (Bänderriss, Bänderdehnung): Dehnung, Teilriss oder Riss eines der die Finger stabilisierenden Bänder. Ursache sind meist Sportunfälle oder Schnittverletzungen beim Handwerken oder im Haushalt.

Einfache Bandverletzungen lassen sich gut durch Schonung und Ruhigstellung in einer Schiene behandeln. Offene (Schnitt)wunden und Begleitverletzungen wie Sehnenrisse oder knöcherne Bandausrisse erfordern in der Regel eine operative Versorgung. Bandverletzungen an den Fingern heilen bei fachgerechter Therapie meist folgenlos aus. Unbehandelt drohen Instabilitäten und die Entwicklung einer Arthrose.

Hinweis: Bandverletzung des Daumens siehe Skidaumen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzen am betroffenen Finger, oft verstärkt bei Bewegung
  • Schwellung
  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Je nach Lage der Verletzung Instabilität, Aufklappbarkeit eines Gelenks
  • Veränderungen beim Beugen oder Strecken der Finger (wenn Bänder betroffen sind, die Sehnen führen).

Wann in die Arztpraxis

Sofort, wenn

  • eine klaffende (Schnitt-)Verletzung an Hand oder Fingern mit Bewegungseinschränkung vorliegt
  • eine Fehlstellung im Bereich eines Fingergelenks auffällt.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung nach einem Unfall nicht rasch wieder abnehmen.

Die Erkrankung

Die Knochen der Hand sind mit einer Vielzahl von Bändern miteinander verbunden, die für die nötige Stabilität und die Führung bei Bewegungen sorgen. Es werden vier Gruppen unterschieden:

  • Kollateralbänder. Sie stabilisieren die Finger und haben je nach Lokalisation noch weitere Funktionen:
    • Die Kollateralbänder (Ligamenta collateralia, Seitenbänder) liegen den einzelnen Fingergelenken an beiden Seiten an und verhindern ein seitliches Wegklappen im Gelenk. Wird von Seitenbändern am Finger gesprochen sind meist diese gemeint.
    • Zwei weitere Formen der Kollateralbänder, die sogenannten Ligamenta collaterale accessoria und phalangoglenoidale befinden sich seitlich am Finger und verhindern deren Überstreckung.

  • Ringbänder. Sie sitzen auf der Handinnenseite an den Schäften und Gelenken der Fingerknochen. Unter ihnen hindurch verlaufen die Beugesehnen. Die Ringbänder verhindern, dass die Sehnen sich beim Beugen der Finger wie beim Spannen eines Bogens beim Bogenschießen abheben. Zusätzlich verstärken sie die Sehnenscheiden.
  • Kreuzbänder. Die Kreuzbänder verstärken ebenfalls die Sehnenscheiden und verhindern ein Abrutschen der Sehnen beim Beugen der Finger. Sie verlaufen zwischen den Ringbändern. Lücken zwischen Ring- und Kreuzbändern ermöglichen die Fingerbeugung.
  • Ligamenta metacarpalia transversa profunda. Diese Bänder befinden sich an der Innenfläche der Fingerwurzel. Sie verbinden jeweils die Mittelhandknochen mit den ersten Fingerknochen. Sie sorgen für Stabilität und limitieren das Abspreizen der Finger.

Ursachen und Risikofaktoren

Werden Gelenke durch eine starke Krafteinwirkung über das normale Maß hinaus bewegt, kommt es zur Überdehnung ihrer Bänder bis hin zu einem kompletten Bänderriss. Zu den typischen Ursachen für solche plötzlichen, übermäßigen Gelenkbewegungen gehören

  • Sportverletzungen, z. B. Anprall eines Balls beim Ballsport
  • Sturz auf die Hand mit ausgestreckten Fingern
  • Hausarbeiten, z. B. das Feststecken eines Lakens
  • Gewalteinwirkung auf den Finger.

Eine weitere, sehr häufige Ursache für Bandverletzungen am Finger ist der Schnitt in den Finger, z. B. bei Handwerks- oder Küchenarbeiten.

Komplikationen

Je nach Schwere der Verletzung kann es zu einem zusätzlichen knöchernen Bandausriss, zu einem Kapselriss oder zum Auskugeln der Fingergelenke kommen. Bei Schnittverletzungen ist häufig auch die Sehne in Mitleidenschaft gezogen (Strecksehnenverletzung des Fingers, Beugesehnenverletzung des Fingers).

Diagnosesicherung

Nach Befragung der Patient*in zu Unfallmechanismus, Schmerzen und Bewegungseinschränkung wird der verletzte Finger vorsichtig abgetastet und bewegt. Zum Nachweis einer Gelenkinstabilität versucht die Ärzt*in, den Finger seitlich aufzuklappen und die benachbarten Knochen gegeneinander zu verschieben. Um begleitende Verletzungen von Gefäßen und Nerven nicht zu übersehen, müssen auch Durchblutung und Sensibilität von Hand und Fingern kontrolliert werden.

Röntgenaufnahmen dienen vor allem dazu, einen Knochenbruch sicher auszuschließen und einen eventuellen knöchernen Kapsel- oder Bandausriss festzustellen. Die Bänder selbst sind im Röntgenbild nicht zu erkennen, allerdings können Fehlstellungen der Knochen Hinweise über ihre eventuell (nicht mehr) stabilisierende Funktion geben. Im Zweifel lässt sich eine Bandverletzung mit einer MRT-Aufnahme nachweisen.

Differenzialdiagnosen. Bei einer akuten Fingerverletzung mit Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung müssen vor allem Fingerbruch, Sehnenverletzungen und Fingerverrenkung ausgeschlossen werden.

Behandlung

Die nötigen Sofortmaßnahmen sind in der PECH-Regel zusammengefasst:

  • Pause: Hand sofort ruhig stellen und schonen.
  • Kühlen (Eis): Gelenk 15 bis 20 Minuten lang kühlen. Dabei dürfen Eiswürfel und Coolpacks nicht direkt, sondern nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut kommen, da sie sonst Kälteschäden hervorrufen.
  • Kompression (compression): Ein Kompressionsverband lindert das Anschwellen. Achtung, nicht zu stramm anlegen, damit Blutzu- und abfuhr gewährleistet bleiben!
  • Hochlagern. Das Hochlagern von Hand und Arm verhindert eine zu starke Durchblutung des Fingers und wirkt ebenfalls dem Anschwellen entgegen.

Bei starken Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ). Achtung: Aspirin (Acetylsalicylsäure) darf zur Schmerzbehandlung nicht verwendet werden, weil es blutverdünnend wirkt und es dadurch zu einer vermehrten Einblutung in das betroffene Gewebe kommen kann.

Hinweis: Bei Verletzungen der Hand sind Ringe, Armbänder und Uhren abzulegen, da das Anschwellen der Finger droht.

Konservativ

Eine Überdehnung oder ein einfacher, geschlossener Bänderriss (d. h. ein Bänderriss ohne offene Wunde) lassen sich konservativ gut behandeln. Damit die Bandenden wieder zusammenwachsen, wird der Finger für zwei bis drei Wochen ruhiggestellt. Dazu verwendet man meist eine Schiene, z. B. aus Gips oder Kunststoff, manche Ärzt*innen tapen den Finger auch. Nach Abnahme der Schiene muss der Finger noch eine Weile geschont werden, häufig fixiert man ihn dazu mit einem Pflasterverband an seinem Nachbarfinger. Trotzdem soll er parallel regelmäßig kontrolliert, bewegt und mobilisiert werden, um dauerhafte Verwachsungen und damit Funktionseinbußen zu vermeiden. Bis der Finger wieder voll belastbar ist, dauert es bis zu 3 Monate.

Operativ

Bei Schnittverletzungen und anderen offenen Wunden, kompliziertem Bänderriss oder begleitenden Kapsel- oder Sehnenverletzungen empfiehlt sich meist die operative Versorgung. In einer offenen Operation werden die Bandenden wieder aneinander genäht und die Begleitverletzungen versorgt (Kapseln oder Sehnen genäht, Knochenausrisse wieder am Knochen fixiert). Nach der Operation wird die Hand wie bei der konservativen Behandlung 2 bis 3 Wochen ruhiggestellt und nachbehandelt.

Prognose

Bei frühzeitiger fachgerechter Behandlung heilen Bänderverletzungen an den Fingern meist folgenlos aus. Unbehandelt drohen jedoch Instabilitäten und die Arthrose des betroffenen Fingergelenks.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Im Zweifel in die Arztpraxis. Nehmen Sie eine Fingerverletzung nicht auf die leichte Schulter. Werden die Beschwerden nach einem Sturz oder einem anderen kleinen Unfall nicht sehr schnell deutlich besser, lassen Sie die Verletzung in einer Arztpraxis abklären. Je früher behandelt wird, desto besser heilt ein Bänderriss aus.

Fingergymnastik im Wasserbad. Nach der Phase der Ruhigstellung lässt sich der Finger besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5-mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser. Welche Bewegungen in welchem Ausmaß erlaubt sind, ist mit der behandelnden Ärzt*in abzuklären.

Einfetten der Operationsnarbe. Harte, feste Operationsnarben können vor allem im Bereich der Hand sehr stören. Cremen Sie die Narbenhaut mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme ein, um sie geschmeidig zu halten.

Nicht in den Schmerz hinein üben. Ob im Alltag oder bei der Krankengymnastik: Wenn beim Beüben der Finger Schmerzen oder Schwellungen auftauchen, ist die Übungsbehandlung zu intensiv und schadet der Ausheilung des Fingers.

Prävention

Schnitthandschuhe tragen. Bei manchen Tätigkeiten im Garten oder beim Basteln oder Handwerken können Schnitthandschuhe mit Metallschutz gute Dienste leisten.

Finger tapen. Vor allem bei Volleyball, Basketball, Handball oder auch beim Rugby versuchen die Spieler, ihre Finger durch prophylaktisches Tapen zu stabilisieren und damit vor Verletzungen zu schützen.

Beugesehnenverletzung am Finger

Beugesehnenverletzung am Finger (Beugesehnenriss, Beugesehnendurchtrennung): Durchtrennung oder (seltener) Riss einer Beugesehne des Fingers. Häufigste Ursachen sind Schnittwunden und Sägeverletzungen. Die Behandlung erfolgt immer operativ, z. B. durch Sehnennaht oder auch Sehnentransplantation. Danach wird die Hand für 6 Wochen in einer Spezialschiene gelagert. Für ein gutes Ergebnis ist die Mitarbeit der Patient*in essenziell: Schon in der Schiene müssen die Finger regelmäßig gestreckt werden. Nach Abnahme der Schiene sind noch weitere 6 Wochen lang regelmäßige Übungen erforderlich, bis der Finger wieder voll belastbar ist.

Symptome und Leitbeschwerden

Je nach verletzter Sehne

  • Fingerendglied lässt sich nicht aktiv beugen (wenn nur die tiefe Beugesehne betroffen ist)
  • Fingermittelgelenk und Fingerendgelenk lassen sich nicht aktiv beugen (wenn die tiefe und oberflächliche Beugesehne betroffen sind)
  • Unnatürliche Streckhaltung eines Fingers
  • Offene Wunde und Schmerzen bei Schnittverletzung.

Wann in die Arztpraxis

Sofort, wenn

  • eine klaffende (Schnitt-)Verletzung an Hand oder Fingern mit Bewegungseinschränkung vorliegt.

Innerhalb weniger Stunden, wenn

  • oben genannte Bewegungseinschränkungen des Fingers auffallen.

Die Erkrankung

Die Beugesehnen verlaufen an der Unterseite der Finger. Im Gegensatz zum Daumen mit nur einer langen Beugesehne haben die restlichen Finger zwei davon: eine tiefe Beugesehne, die bis zum Fingerendglied reicht und eine oberflächliche, die nur bis zum Fingermittelgelenk geht. Damit sie reibungslos gleiten, verlaufen die Beugesehnen jeweils in einer Sehnenscheide. Sehne und Sehnenscheide sind mit bindegewebigen Ringbändern an den Knochen befestigt. Auf diese Weise wird die Sehne geführt und bleibt auch bei Anspannung in der richtigen Bahn (im Gegensatz zum Anspannen einer Sehne beim Bogenschießen).

Je nachdem, welche Beugesehne durchtrennt wird, kommt es zu verschiedenen Auswirkungen:

  • Fällt eine tiefe Beugesehne aus, kann der Finger nicht mehr im Endglied gebeugt werden. Die Beugung im Mittel- und Grundgelenk des Fingers ist weiterhin möglich, weil die oberflächliche Beugesehne noch intakt ist.
  • Ist nur eine oberflächliche Beugesehne durchtrennt, macht sich dies im Alltag kaum bemerkbar, da der Ausfall von der tiefen Beugesehne kompensiert wird.
  • Sind an einem Finger oberflächliche und tiefe Beugesehne gemeinsam durchtrennt, ist die Beugung im Fingerendgelenk und im Fingermittelgelenk nicht mehr möglich. Noch lässt sich der Finger aber im Grundgelenk beugen. Dahinter stecken kleine Muskeln der Mittelhand (Musculi lumbricales), die ebenfalls an der Beugung beteiligt sind.
  • Sind oberflächliche und tiefe Beugesehne und die Musculi lumbicales betroffen, kann der Finger in keinem der drei Gelenke mehr gebeugt werden.
  • Zweizeitiger Riss. Manchmal kommt es zunächst nur zu einem Teilriss, durch den die Beweglichkeit der Finger kaum beeinträchtigt ist und der deshalb gar nicht richtig wahrgenommen wird. Erst wenn die Sehne dann Tage später bei einem banalen Ereignis komplett reißt, machen sich die typischen Beschwerden bemerkbar.

Ursachen

Verletzt werden Beugesehnen vor allem durch Schnitt- oder Sägeunfälle mit einem scharfen Gegenstand. Typische Beispiele sind das Brotschneiden oder das Sägen von Kleinteilen mit starker Kraft.

Geschlossene Risse der Beugesehnen sind eher selten. Mögliche Ursache ist die gewaltsame Überstreckung, z. B. bei einem Sturz auf den ausgestreckten Finger. In diesem Fall war die Sehne häufig schon vorgeschädigt, z. B. durch eine rheumatische Erkrankung oder auch durch eine im Rahmen einer Osteosynthese eingelegten Metallplatte.

Komplikationen

Je nach Verletzungsmuster können andere Strukturen am Finger mitbetroffen sein. Dazu gehören beispielsweise Gefäße und Nerven, Gelenkkapseln (siehe auch Kapselverletzungen am Finger), Bänder (Bandverletzungen am Finger) und manchmal auch die Knochen (Fingerbruch).

Diagnosesicherung

Bei einer Verletzung der tiefen Beugesehne genügt der Ärzt*in für die Diagnose meist die Schilderung des Unfallhergangs in Kombination mit den Beschwerden. Bei der Funktionsprüfung des betroffenen Fingers muss darauf geachtet werden, dass immer nur ein Gelenk geprüft und der restliche Finger fixiert wird. Die alleinige Durchtrennung einer oberflächlichen Beugesehne ist für die Ärzt*in oft schwieriger zu erkennen. Hier helfen beim Verdacht spezielle Untersuchungstechniken wie z. B. die Fixierung der Nachbarfinger in Streckhaltung.

Liegt eine offene Wunde vor, wird diese genauestens inspiziert, eventuell sind dabei Schäden von Nerven und Gefäßen sichtbar. Weitere Untersuchungen dienen vor allem dem Ausschluss von Begleitverletzungen. Zum Nachweis einer möglichen Kapsel- oder Bandverletzung prüft die Ärzt*in die Gelenkstabilität durch seitliches Aufklappen des betroffenen Fingergelenks und durch Verschieben benachbarter Knochen gegeneinander. Ob Gefäße und Nerven intakt sind, zeigen die Durchblutung und die Sensibilität des Fingers. Röntgenaufnahmen der Hand in 2 Ebenen dienen schließlich dazu, knöcherne Läsionen wie z. B. einen knöchernen Kapsel- oder Bandausriss auszuschließen.

Behandlung

Eine durchtrennte Beugesehne näht die Ärzt*in möglichst innerhalb der ersten 12, längstens 24 Stunden, weil frische Verletzungen die besten Heilungschancen haben. Manchmal ist eine Naht nicht möglich, z. B. weil die Sehnenenden schon zu weit auseinanderweichen. Dann muss die Sehne durch eine andere ersetzt werden. Dazu eignet sich z. B. die Sehne des langen Hohlhandmuskels (Musculus palmaris longus).

Gegen die Schmerzen und zur Vorbeugung einer Sehnenentzündung nach Operation verschreibt die Ärzt*in oft entzündungshemmende Mittel wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ).

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung erfolgt in einer speziellen Schiene (Kleinert-Schiene), in der sich der betroffene Finger aktiv strecken, aber nur passiv beugen lässt. Diese Fingerbewegungen sind sehr wichtig, damit die Sehne nicht in ihrer Sehnenscheide verklebt. Gleichzeitig ist die genähte Sehne noch nicht fest genug, um Zug auszuhalten. Damit der Beugemuskel nicht an der frisch genähten Sehne zieht, übernimmt ein am Fingernagel befestigter Gummizügel die Beugebewegung. Zur Mobilisierung muss die Patient*in den Finger mehrmals täglich in der Schiene aktiv strecken. Diese Übung wird in den ersten Tagen meist von einer Physiotherapeut*in überwacht.

Auch nach Abnahme der Schiene ist es wichtig, den betroffenen Finger nur vorsichtig zu bewegen. 6 Wochen lang darf er nur kontrolliert beübt und keinesfalls belastet werden. Etwa 12 Wochen nach Operation ist der Finger wieder voll einsatzfähig.

Behandlungskomplikationen

Durch die Ruhigstellung kann es dazu kommen, dass die Sehnen verkleben. In diesem Fall wird die Verklebung in einem erneuten Eingriff gelöst. Verkleben die Sehnen in ihrer Sehnenscheide, legen die Operateur*innen oft einen dünnen Silikonstab hinein, um den Kanal offenzuhalten.

Bei einer zu frühen Belastung der Beugesehne droht ihr erneuter Riss. Dann lassen sich die Sehnenenden meist nicht mehr aneinandernähen und es wird eine Sehnentransplantation erforderlich.

Prognose

Beugesehnenverletzungen heilen meist gut aus, wenn sie innerhalb weniger Stunden operativ versorgt werden. Manchmal bleibt eine Bewegungseinschränkung durch narbige Verklebungen im Verletzungsbereich zurück.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Notfall Beugesehnenverletzung. Suchen Sie unverzüglich eine Arztpraxis auf, wenn Sie sich in den Finger geschnitten und dabei womöglich eine Sehne verletzt haben. Beugesehnenverletzungen sind Notfälle, die einer sofortigen Behandlung bedürfen. Wartet man zu lang mit der Operation, lassen sich die Sehnenenden oft nicht mehr aneinandernähen.

Mitarbeit erforderlich. Halten Sie sich nach einer Operation präzise an die Bewegungs-Vorgaben. Üben Sie nicht zu viel und nicht zu wenig, fragen Sie im Zweifel Ihre Physiotherapeut*in. Vernachlässigen Sie nach Ablegen der Schiene die mobilisierenden Übungen nicht, die Ihnen in der Krankengymnastik gezeigt wurden. Die Sehne muss dosiert bewegt werden, damit sie in ihrer Sehnenscheide nicht verklebt.

Fingergymnastik im Wasserbad. Nach der Schienen-Therapie lässt sich der Finger besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5 Mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser. Welche Bewegungen in welchem Ausmaß erlaubt sind, ist mit der behandelnden Ärzt*in abzuklären.

Einfetten der Operationsnarbe. Harte, feste Operationsnarben können auf der Beugeseite des Fingers sehr stören. Cremen Sie die Narbenhaut nach Abnahme der Schiene mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme ein, um sie geschmeidig zu halten.

Prävention

Schutzhandschuhe. Für Gärtner, Handwerker und andere Personen, die viel schneiden oder sägen, ist es oft empfehlenswert, Schnitthandschuhe zu tragen. Es gibt sie in verschiedenen Qualitäten bis hin zu Kettenhandschuhen aus Metall.

Plastikmesser. Wenn kleine Kinder in der Küche beim Gemüseschnippeln helfen, sollte man gut auf sie aufpassen und ihnen am besten zunächst ein Plastikmesser in die Hand drücken.

Fingerbruch

Fingerbruch (Fingerfraktur): Bruch eines der 14 Fingerknochen infolge von Sturz, starkem Anprall oder Stauchung in der Längsachse, letzteres häufig beim Ballsport. Bemerkbar macht sich ein Fingerbruch durch Schmerzen, Schwellung und starke Bewegungseinschränkung. Zur Behandlung reicht häufig eine mehrwöchige Ruhigstellung. Ist der Bruch allerdings verdreht, verschoben oder in Gelenknähe, muss operiert werden, um bleibende Fehlstellungen zu vermeiden.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Druck- und Bewegungsschmerz
  • Meist ausgeprägte Schwellung
  • Starke Bewegungseinschränkung
  • Schmerzhaftes Hämatom unter dem Fingernagel (wenn das Endglied betroffen ist).

Wann in die Arztpraxis

Noch am gleichen Tag, wenn

  • nach einem Unfall oben genannte Beschwerden entstehen.

Die Erkrankung

Die Finger bestehen aus mehreren Gliedern (anatomisch Phalanx genannt), die im Strahl angeordnet sind. Der Daumen hat zwei solcher "Phalangen", die restlichen Finger jeweils drei (Grundglied, Mittelglied, Endglied). Verbunden sind die Fingerglieder über die Fingergelenke, verstärkt durch Gelenkkapsel und Bänder, darüber liegen Sehnen und Muskeln.

Da die Finger meist permanent und ungeschützt im Einsatz sind, gibt es viele Möglichkeiten, sie zu brechen. Am häufigsten sind Quetschung (z. B. in der Autotür), Zerrung, Verdrehung, direkte Gewalt oder ein Schlag auf den Finger, z. B. beim Handwerken. Auch Sport (insbesondere Ballsportarten) ist ein typischer "Fingerbrecher", am allerhäufigsten trifft es hierbei das Endglied des Mittelfingers. Bei den Über-65-Jährigen sind vor allem Frauen von Fingerbrüchen betroffen – wahrscheinlich aufgrund der sich im Alter verschlechternden Knochensubstanz.

Formen

Je nachdem, welches Fingerglied betroffen ist, unterscheidet man

  • proximale Brüche (am Grundglied)
  • mediale Brüche (am Mittelglied)
  • distale Brüche (am Fingerendglied).

Im Vergleich zu Brüchen an größeren Knochen verlaufen Fingerbrüche öfter schräg oder spiralförmig. Die Bruchflächen verschieben sich dadurch häufig gegeneinander oder verkippen sogar.

Diagnosesicherung

Die oben genannten Symptome lenken sofort den Verdacht auf einen möglichen Fingerbruch. Oft lassen sich die Schmerzen verstärken, wenn die Ärzt*in den betroffenen Finger in seiner Längsachse staucht – ein einfacher, aber nicht ganz sicherer Test.

Zur Diagnosesicherung sind Röntgenaufnahmen erforderlich, bei komplizierteren Verletzungen mit Gelenkbeteiligung auch eine CT zur besseren Beurteilung. Um begleitende Verletzungen von Gefäßen und Nerven nicht zu übersehen, prüft die Ärzt*in Durchblutung, Beweglichkeit (Motorik) und Sensibilität von Hand und Fingern. Besteht diesbezüglich ein Verdacht, wird meist ein MRT veranlasst.

Differenzialdiagnosen. Prellungen und Zerrungen sowie Sehnen- und Bandverletzungen können ebenfalls erhebliche Schmerzen und Bewegungseinschränkungen an den Fingern verursachen. Des Weiteren muss abgeklärt werden, ob andere Brüche vorliegen, z. B. ein Mittelhandbruch, ein Handwurzel- oder Kahnbeinbruch oder ein Speichenbruch.

Behandlung

Sofort nach der Verletzung (schon vor dem Gang in die Arztpraxis) sind die Maßnahmen der PECH-Regel angebracht:

  • Pause: Hand sofort ruhig stellen und schonen.
  • Kühlen (Eis): Gelenk 15 bis 20 Minuten lang kühlen. Dabei dürfen Eiswürfel und Coolpacks nicht direkt, sondern nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut kommen, da sie sonst Kälteschäden hervorrufen.
  • Kompression (compression): Ein Kompressionsverband lindert das Anschwellen. Achtung, nicht zu stramm anlegen, damit Blutzu- und abfuhr gewährleistet bleiben!
  • Hochlagern. Das Hochlagern von Hand und Arm verhindert eine zu starke Durchblutung des Fingers und wirkt ebenfalls dem Anschwellen entgegen.

Bei starken Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ). Achtung: Aspirin (Acetylsalicylsäure) darf zur Schmerzbehandlung nicht verwendet werden, weil es blutverdünnend wirkt und es dadurch zu einer vermehrten Einblutung in das betroffene Gewebe kommen kann.

Hinweis: Bei Verletzungen der Hand sind Ringe, Armbänder und Uhren abzulegen, da das Anschwellen der Finger droht.

Konservativ

Bei unverschobenen Brüchen, vor allem am Fingerendglied, reicht die Ruhigstellung des Fingers oft aus. Dazu verordnet die Ärzt*in über 3 bis 4 Wochen eine Schiene oder einen Gips. Danach wird der betroffene Finger noch für 3 bis 4 Wochen mithilfe eines Tapes oder Pflasterverbands am Nachbarfinger fixiert und so geschützt. Nach Abnahme des Gipses wird sofort vorsichtig mit der Physiotherapie begonnen, um das Einsteifen der Finger zu vermeiden.

Operativ

Um Fehlstellungen und Funktionseinschränkungen zu vermeiden, werden folgende Fingerbrüche meist operiert:

  • Verschobene oder verdrehte Brüche
  • Offene Brüche, Brüche mit mehreren Bruchstücken
  • Brüche mit begleitender Verletzung von Nerven, Gefäßen, Sehnen oder Bändern
  • Begleitende schwere Verletzung des Nagels oder Nagelbetts
  • Begleitende Gelenkverletzungen.

Bei der Operation richtet die Handchirurg*in die Knochenteile wieder ein und verbindet sie mit Schrauben, Drähten oder kleinen Platten. Nach der Operation wird der Finger in einem Gipsverband ruhiggestellt.

Prognose

Einfache Brüche heilen in der Regel folgenlos aus – vorausgesetzt, sie wurden frühzeitig entdeckt und behandelt. Bei komplizierten Brüchen kann es monatelang dauern, bis die Knochen wieder zusammengewachsen sind. In seltenen Fällen bleiben auch Funktionseinschränkungen – z. B. als steifer Finger – zurück.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Nicht auf die leichte Schulter nehmen. Fingerbrüche werden häufig unterschätzt. Haben Sie sich verletzt und ein Fingerbruch ist möglich, lassen Sie dies in einer Arztpraxis abklären. Je später ein gebrochener Finger behandelt wird, desto schlechter das Endergebnis.

Ausreichend Geduld. Gerade bei Fingerbrüchen neigen die Betroffenen oft dazu, zu schnell wieder aktiv zu werden. Halten Sie sich unbedingt an die verordnete Schonzeit, in der der Finger nach Gipsabnahme an den Nachbarfinger befestigt wird. Wenn Sie den heilenden Finger zu früh wieder belasten, riskieren Sie ein schlechteres Heilungsergebnis und eventuell Funktionseinschränkungen in der Bewegung.

Prävention

Technik erlernen. Fingerbrüche drohen bei vielen Tätigkeiten. Vor allem beim Sport lassen sich Unfälle vermeiden, wenn man die Technik gut beherrscht. Bei Sportarten mit hohem Sturzrisiko ist ein Falltraining sinnvoll.

Finger tapen. Vor allem bei Volleyball, Basketball, Handball oder auch beim Rugby versuchen die Spieler, ihre Finger durch prophylaktisches Tapen zu stabilisieren und damit vor Verletzungen zu schützen.

Weiterführende Informationen



Fingerverrenkung

Fingerverrenkung (Fingergelenksluxation): Herausspringen eines Fingerknochens aus seinem Gelenk, erkennbar an Fehlstellung, Schwellung und Bewegungsunfähigkeit. Ursache sind starke Krafteinwirkungen auf den Finger wie zum Beispiel Stürze oder der heftige Aufprall eines Balls beim Ballsport. Gegen Schwellung und Schmerzen hilft sofortiges Ruhigstellen und Kühlen. Um bleibende Schäden zu vermeiden, muss der Finger zügig von einer Ärzt*in (und keinesfalls in Eigenregie!) wieder eingerichtet werden.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzen und Schwellung am Fingergelenk
  • Sichtbare Fehlstellung
  • Bewegungsunfähigkeit
  • Evtl. Bluterguss
  • Kribbeln oder andere Missempfindung, wenn durch die Verrenkung Nerven beeinträchtigt sind.

Wann in die Arztpraxis

Sofort, bei

  • Fehlstellung im Bereich eines Fingergelenks.

Die Erkrankung

Die Fingergelenke verbinden die knöchernen Fingerglieder untereinander (Fingermittel- und Fingerendgelenke) und mit den Mittelhandknochen (Fingergrundgelenke). Sie sind umschlossen von Gelenkkapseln, die für die Stabilität und die Schmierung der Gelenke verantwortlich sind. Die Gelenkkapseln werden durch zahlreiche Bänder (siehe Bandverletzungen des Fingers) und Sehnen verstärkt, wodurch sie jeweils eine straffe, aber bewegliche Einheit bilden.

Bei sehr starker oder ungünstiger Gewalteinwirkung wird der Kapsel-Bandapparat überdehnt. In diesem Fall können Kapsel und Bänder die Knochen nicht mehr im Gelenk halten, der Finger ist ausgerenkt. Springt der Finger komplett aus dem Gelenk, spricht man von einer Luxation. Bei einer Subluxation (Teilverrenkung) verrutscht der Finger dagegen nur innerhalb des Gelenks.

Ursachen und Risikofaktoren

Typische Ursachen für eine Fingerverrenkung sind Stürze oder ungünstige bzw. starke Krafteinwirkung auf den Finger beim Sport. Begünstigt wird das Ausrenken aus dem Gelenk durch schwache Bänder und Sehnen, z. B. aufgrund

  • altersbedingter Verschleißerscheinungen
  • vorangegangener Fingerverrenkung
  • angeborener Bindegewebserkrankungen (z. B. Marfan-Syndrom).

Auch Arthrose oder Rheuma können Gelenke so stark schädigen, dass sie leichter auskugeln.

Komplikationen

Begleitverletzungen sind bei starker Krafteinwirkung häufig. Beispiele sind der Kapselriss (Kapselverletzungen), Dehnung oder Risse von Sehnen oder Bändern (Bandverletzungen) oder geschlossene Quetschungen wie bei der Fingerprellung.

Diagnosesicherung

Vermuten lässt sich die Fingerverrenkung meist schon durch bloßes Anschauen. Zur weiteren Diagnose gibt es verschiedene Vorgehensweisen.

  • Manche Ärzt*innen veranlassen gleich eine Röntgenuntersuchung, um das Gelenk durch Manipulationen bei der körperlichen Untersuchung nicht weiter zu schädigen. Im Röntgenbild lassen sich die Diagnose sichern und knöcherne Begleitverletzungen wie Fingerbruch oder knöcherne Bandausrisse ausschließen. Beim Verdacht auf verletzte Bänder, Kapsel oder Sehnen sind oft zusätzliche CT-oder MRT-Aufnahmen erforderlich.
  • Die andere Vorgehensweise ist, den Finger zu betäuben, zu untersuchen und bei bestätigtem Verdacht sofort einzurichten. Begleitverletzungen, die ein operatives Eingreifen erfordern, sind in der Kontrollaufnahme nach dem Einrichten zu erkennen.

Behandlung

Eingerichtet wird die Verrenkung durch dosierten Zug und Druck, meist in Lokalbetäubung oder unter einer Kurznarkose. Eine weitere Röntgenaufnahme dient der Kontrolle, ob der Knochen wieder richtig im Gelenk sitzt. Anschließend legt die Ärzt*in eine Schiene aus Gips, Kunststoff oder Aluminium an. Ausgerenkte Fingerendglieder drohen sehr schnell zu versteifen, weshalb sie nur eine Woche ruhiggestellt werden. Mittelglieder verbleiben maximal drei Wochen in der Schiene. Damit sie nicht versteifen, sollte schon nach etwa einer Woche mit Bewegungsübungen begonnen werden.

Operativ

Bei Begleitverletzungen wie Sehnenrissen oder Brüchen muss der Finger operiert werden. Auch die Verrenkung des Fingergrundgelenks erfordert häufig die Operation, weil das Einrichten aufgrund des starken Bandapparats dort oft nicht gelingt.

Differenzialdiagnosen. Auszuschließen sind immer andere Verletzungen des Fingers wie z. B. der Fingerbruch oder Kapselverletzungen.

Prognose

In manchen Fällen bleibt nach dem Einrichten eine Instabilität zurück, die erneute Fingerverrenkungen begünstigt. Bei knöchernen Gelenkverletzungen ist langfristig das Arthroserisiko an diesem Gelenk erhöht.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Sofortmaßnahmen beim verrenkten Finger sind:

  • Ruhigstellen. Dazu kann man den Finger vorsichtig mit einem Tape oder Pflaster an seinem Nachbarfinger fixieren. Außerdem sollte die gesamte Hand ruhiggestellt werden. Entweder man hält sie mit der gesunden Hand oder legt sie in eine Armschlinge. Dazu eignen sich beispielsweise ein Schal oder das Dreieckstuch aus dem Verbandskoffer. Gut ist es auch, die Hand mit der Schlinge am Rumpf zu fixieren.
  • Kühlen. Kälte lindert Schmerzen und Schwellung. Dabei dürfen Eiswürfel und Coolpacks nicht direkt, sondern nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut kommen, da sie sonst Kälteschäden hervorrufen.
  • Transport in die Arztpraxis. Ein luxierter Finger sollte so schnell wie möglich wieder fachmännisch eingerenkt werden.

Hinweis: Versuchen Sie nur in absoluten Ausnahmesituationen (z. B. beim Klettern am Berg), den Finger selbst oder durch einen Laienhelfer wieder einzurenken! Direkt nach dem Abstieg muss die Verletzung unverzüglich in einer Ambulanz oder Arztpraxis kontrolliert werden.

Prävention

Finger tapen. Vor allem bei Volleyball, Basketball, Handball oder auch beim Rugby versuchen die Spieler, ihre Finger durch prophylaktisches Tapen zu stabilisieren und damit vor Verletzungen zu schützen.

Ganglien

Ganglien (Einzahl: Ganglion, Überbein): Feste, meist schmerzlose Schwellungen, vor allem an Handgelenk, Fingern oder auch in der Kniekehle. Es handelt sich dabei um unter der Haut gelegene Hohlräume, die mit gallertartiger Flüssigkeit gefüllt und mit benachbarten Gelenken, Knorpelscheiben (Menisken) oder Sehnen(-scheiden) verbunden sind. Von der harmlosen Erkrankung sind überwiegend Frauen zwischen 20 und 40 Jahren betroffen. Bei leichten Beschwerden helfen Schonung, entzündungshemmende Wirkstoffe und Hausmittel. Bilden sich Ganglien nicht spontan zurück, lassen sie sich problemlos mit einem kleinen Eingriff entfernen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Prall-elastischer, erbsen- bis kirschgroßer Knoten oder eiförmige Schwellung unter der Haut, meist am Handgelenk, seltener an Fingern, Ellenbogen, Kniekehle, Außenseite des Knies oder Fußrücken
  • Manchmal bewegungsabhängige Beschwerden, dumpfe Dauerschmerzen, Druckgefühl oder -empfindlichkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühl.

Wann in die Arztpraxis

Bei Gelegenheit, wenn

  • ein Ganglion über mehrere Monate Beschwerden verursacht oder kosmetisch stört.

Am gleichen Tag, wenn

  • es nach spontanem Platzen des Ganglions zu Schmerzen, Überwärmung und Rötung kommt.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Als Krankheitsursache werden degenerative, arthrotische, verletzungs- oder überlastungsbedingte Reizzustände angenommen, die an der betreffenden Stelle die Gelenkkapsel oder Sehnenscheide schwächen und zu einer überschießenden Produktion von Gelenkschmiere führen. Diese bricht schließlich in das umliegende Weichteilgewebe ein und bildet dort einen flüssigkeitsgefüllten, meist in mehrere Kammern unterteilten Hohlraum.

Häufige Lokalisationen sind

  • Handgelenk, vor allem Handaußenseite und Handrücken
  • Fingergelenke, Ellenbogen
  • Fußrücken
  • Knie, insbesondere am Außenmeniskus.

Klinik

Kleine Ganglien verursachen meist keine Probleme. Sind sie sehr groß, können sie jedoch die benachbarten Muskeln und Gelenke stören und bei Bewegungen zu Schmerzen führen. Drückt ein Ganglion auf eine Sehne, droht eine Sehnenscheidenentzündung, drückt es auf einen Nerven, sind Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl möglich.

Diagnosesicherung

Basismaßnahmen zur Diagnosesicherung eines Ganglions ist die körperliche Untersuchung, das heißt das vorsichtige Abtasten der Schwellung, sowie die Untersuchung mit dem Ultraschall. Besteht der Verdacht auf eine Gelenkschädigung, veranlasst die Ärzt*in außerdem ein Röntgenbild.

Weitere, seltenere diagnostische Verfahren sind

  • Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) und deren feingewebliche Untersuchung bei Verdacht auf einen Tumor
  • MRT, vor allem vor einer geplanten Operation
  • Gelenkspiegelung, z. B. bei einem Meniskusganglion.

Differenzialdiagnosen. Pralle, relativ feste Schwellungen treten auch auf als Kallusbildung nach Knochenbrüchen oder beim Morbus Paget. Weitere Differenzialdiagnosen sind zudem gutartige oder bösartige Tumoren wie Atherome (Grützbeutel), Lipome oder auch Fibrosarkome.

Behandlung

Ein beschwerdefreies Ganglion, muss nicht behandelt werden. Häufig bildet es sich von allein zurück.

Bei Schmerzen, Druck auf Nerven bzw. Blutgefäße oder wenn das Ganglion kosmetisch stört, kommen verschiedene Verfahren infrage:

  • Konservative Behandlung. Hier steht die Förderung der Rückbildung durch Schonung und Ruhigstellung mit einer Schiene oder Bandage im Vordergrund. Gleichzeitig können entzündungshemmende Wirkstoffe eingenommen werden, etwa NSAR wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ), evtl. auch Kortison.
  • Punktion. Dabei sticht die Ärzt*in das Ganglion mit einer Hohlnadel an und saugt den Inhalt ab. Da nur die Flüssigkeit, nicht aber die Kapsel entfernt wird, ist hierbei die Rückfallquote mit bis zu 50 % hoch. Spritzt man zusätzlich Kortison in das Ganglion, lässt sich manchmal eine dauerhafte Heilung erreichen.
  • Operative Entfernung. Vor allem länger bestehende, immer wieder auftretende oder große Ganglien sollten operativ entfernt werden. Beim Meniskusganglion ist dafür in aller Regel eine Gelenkspiegelung nötig. Das Risiko von Rückfällen liegt hier bei 10–20 %.

Prognose

30–50 % der Ganglien bilden sich innerhalb einiger Wochen oder Monate von selbst zurück. Punktierte Ganglien treten in der Hälfte der Fälle wieder auf, operierte zu 10 bis 20 %.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Hausmittel. Durch das Auflegen oder Aufbringen folgender Hausmittel sollen Schmerzen und Entzündung eingedämmt oder die Durchblutung gefördert werden:

  • Heilerde als Paste oder in Form von Umschlägen
  • Arnikasalben oder Beinwell-Salben
  • Warme Kompressen (oder warme Fußbäder bei Ganglien im Fußbereich)
  • Ingwer- oder Kartoffelscheiben.

Passende Schuhe. Bei Ganglien im Fußbereich sind gut passende, nicht drückende Schuhe wichtig. Sitzt das Ganglion am Fußrücken, hilft es, vorübergehend oben offene Schuhe wie Sandalen zu tragen.

Geplatzt – und nun? Ganglien können platzen und auf diese Weise problemlos abheilen. Manchmal kommt es dadurch allerdings zu Infektionen, die sich durch Erwärmen, Hautrötung und Schwellung bemerkbar machen. Suchen Sie in diesen Fällen eine Ärzt*in auf.

Hinweis: Auch wenn ein Ganglion manchmal wie ein praller Pickel aussieht, dürfen Sie es keinesfalls ausdrücken. Die Punktion oder Entfernung eines Ganglions muss unter sterilen Bedingungen erfolgen. Durch die mögliche Verbindung des Hohlraums zum Gelenk drohen schwere Infektionen.

Handwurzelbrüche und Kahnbeinbrüche

Handwurzelbrüche (Handwurzelfrakturen, Karpalfrakturen): Brüche eines, selten mehrerer der acht Handwurzelknochen, in der Regel durch einen Sturz auf die im Handgelenk überstreckte Hand. 75 % der Fälle sind Kahnbeinbrüche (Skaphoidfrakturen) an der Daumenseite der Handwurzel. Kahnbeinbrüche werden meist operiert; Brüche der übrigen Handwurzelknochen werden in der Regel konservativ behandelt.

Leitbeschwerden

Druck- und Bewegungsschmerz sowie Schwellung im Bereich des Handgelenks oder der Handwurzel nach einem Sturz oder Unfall.

Wann zum Arzt

Noch am gleichen Tag, wenn nach einem Unfall schmerzhafte Schwellungen an der Hand bestehen

Die Erkrankung

Bei Brüchen der Handwurzelknochen ist meist das Kahnbein betroffen. Es hat eine besonders spärliche und verletzungsanfällige Blutversorgung. Insbesondere bei verschobenen Kahnbeinbrüchen besteht deshalb die Gefahr, dass ein Bruchstück von der Blutversorgung abgeschnitten wird, der Bruch nicht heilt (Kahnbeinpseudarthrose) und der betroffene Kahnbeinanteil abstirbt. Chronische Schmerzen und eine Arthrose von Handwurzel und Handgelenk sind die typischen Folgen.

Als weitere Komplikation tritt gelegentlich eine Sudeck-Erkrankung auf. Oft wird der Kahnbeinbruch anfangs nicht erkannt, weil die Patienten der Meinung sind, unter einer simplen Verstauchung der Hand zu leiden, und deshalb nicht zum Arzt gehen. Manchmal wird der Bruch auch übersehen, weil er auf einer ersten Röntgenaufnahme nicht so deutlich zu erkennen ist. Eventuell ist eine CT- oder Kernspin-Aufnahme notwendig, um den Bruch sichtbar zu machen.

Das macht der Arzt

Die oben genannten Symptome weisen den Arzt auf einen möglichen Handwurzelbruch hin. Starke Indizien für eine Kahnbeinfraktur sind ein räumlich begrenzter Druckschmerz in der Tabatière (Foveola Radialis, auch anatomical snuff box, also Schnupftabakdose, genannt) – eine sichtbare Vertiefung zwischen Daumen, Daumenstrecksehne und Handgelenk bei Überstreckung des Daumens – und Schmerzen in der Handwurzel bei Stauchung von Daumen und Zeigefinger. Der Arzt sichert die Diagnose durch Röntgen, im Zweifelsfall auch durch ein CT oder Kernspin.

Brüche des Kahnbeins werden meist operiert, um das Risiko von späteren Kahnbeinpseudarthrosen zu minimieren. Dabei richtet der Arzt den Bruch ein und presst die Bruchstücke mit einer speziellen Schraube (Herbert-Schraube) möglichst eng zusammen. Zur Nachbehandlung empfehlen manche Ärzte eine 2 bis 4-wöchige Ruhigstellung im Gips, andere verzichten darauf. Nach 6 bis 8 Wochen ist die Handwurzel wieder voll belastbar, der Patient ist uneingeschränkt arbeitsfähig. Die Herbert-Schraube verbleibt normalerweise im Kahnbein.

Nur völlig unverschobene Kahnbeinbrüche werden konservativ durch Ruhigstellung im Unterarmgips mit Daumeneinschluss in dieser Form für 12 Wochen behandelt.

Alle übrigen Handwurzelbrüche stellt der Arzt für 6 bis 12 Wochen im Unterarmgips ruhig. Nur wenn sie verschoben oder von Verrenkungen begleitet sind, erfordern diese Verletzungen eine operative Therapie. Je nach Verletzungsart besteht sie in einer Verdrahtung oder Verschraubung der Bruchstücke, gegebenenfalls zusätzlich in einer Rekonstruktion von gerissenen Bandstrukturen.

Kapselverletzungen an den Fingern

Kapselverletzung am Finger (Fingerkapseldistorison, Fingerkapselriss): Überdehnungen oder Riss einer Gelenkkapsel am Finger, manchmal auch kombiniert mit einem knöchernen Abriss. Kapselverletzungen entstehen vor allem durch gewaltsame Überstreckung eines Fingergelenks, häufig beim Ballsport. Bei starker Krafteinwirkung und weitgehender Zerreißung der Gelenkkapsel kommt es manchmal zusätzlich zu einer Fingerverrenkung. Zur Behandlung reicht häufig eine Ruhigstellung in einer Schiene, gelegentlich ist eine Operation erforderlich.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzhafte Schwellung und Bewegungseinschränkung eines Fingergelenks
  • Schmerzhafte Fehlstellung im Gelenkbereich und Bewegungsunfähigkeit bei zusätzlicher Fingerverrenkung.

Wann in die Arztpraxis

Sofort, wenn

  • eine klaffende (Schnitt-)Verletzung an Hand oder Fingern mit Bewegungseinschränkung oder eine Fehlstellung im Bereich eines Fingergelenks vorliegt.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung im Bereich eines Fingergelenks nicht rasch wieder abnehmen.

Die Erkrankung

Gelenkkapseln umschließen die Gelenkhöhle und bestehen aus zwei Schichten: Der äußere, straffe, bindegewebige Anteil ist mit der Knochenhaut und den anliegenden Bändern verbunden. Dadurch stabilisiert er das Gelenk und führt es bei Bewegungen in die gewünschte Richtung. Der innere Teil der Gelenkkapsel wird Gelenkinnenhaut genannt. Sie besteht aus locker angeordneten Bindegewebszellen, die die Gelenkflüssigkeit (Synovia, Gelenkschmiere) produzieren und wieder aufnehmen und dadurch für einen reibungslosen Ablauf bei der Bewegung sorgen.

Wird ein Fingergelenk überstreckt, kommt es auf der Beugeseite zur Überdehnung und oftmals auch zum Einriss der Gelenkkapsel und der Faserknorpelplatte, die das Gelenk an dieser Stelle verstärkt. Bei seitlicher Abknickung eines Fingergelenks sind die seitliche Gelenkkapsel und die sie verstärkenden Seitenbänder betroffen (wie beispielsweise beim Skidaumen). Manchmal reißen Kapsel oder Bänder mitsamt einem kleinen Knochenstück aus ihrer Verankerung am Knochen aus (knöcherner Kapselausriss bzw. knöcherner Bandausriss). Bei vollständiger Zerreißung von Kapsel und Bändern wird das Gelenk nicht mehr ausreichend zusammengehalten; es kommt zu einer Fingerverrenkung.

Ursachen und Risikofaktoren

Fingerkapselrisse ereignen sich vor allem beim Sport, z. B. durch das Abknicken des Fingers nach hinten beim Aufprall eines Balls. Besonders oft passiert das beim Volleyball oder Handball. Weitere Verletzungsmuster sind Stürze auf den ausgestreckten Finger. Sehr selten reißt die Kapsel bei starkem Zug am Finger.

Diagnosesicherung

Eine erste Diagnose ergibt sich meist beim Abtasten und Bewegen des verletzten Fingers. Zum Ausschluss einer Gelenkinstabilität versucht die Ärzt*in, das betroffene Fingergelenk seitlich aufzuklappen und die benachbarten Knochen gegeneinander zu verschieben. Wird der Schmerz stärker, wenn die Ärzt*in den Finger in seiner Längsachse staucht, spricht das eher für einen Knochenbruch.

Um begleitende Verletzungen von Gefäßen und Nerven nicht zu übersehen, müssen auch Durchblutung, Beweglichkeit (Motorik) und Sensibilität von Hand und Fingern untersucht werden.

Röntgenaufnahmen des verletzten Fingergelenks dienen dazu, einen Knochenbruch sicher auszuschließen und einen eventuellen knöchernen Kapsel- oder Bandausriss festzustellen. Beim Verdacht auf Bandschäden wird meist ein MRT veranlasst.

Differenzialdiagnosen. Akut auftretende Schmerzen, Schwellungen oder Fehlstellungen eines Fingers sind auch Kennzeichen eines Fingerbruchs, einer Fingerprellung oder einer Fingerverrenkung.

Behandlung

Die nötigen Sofortmaßnahmen sind in der PECH-Regel zusammengefasst:

  • Pause: Hand sofort ruhigstellen und schonen.
  • Kühlen (Eis): Gelenk 15 bis 20 Minuten lang kühlen. Dabei dürfen Eiswürfel und Coolpacks nicht direkt, sondern nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut kommen, da sie sonst Kälteschäden hervorrufen.
  • Kompression (compression): Ein Kompressionsverband lindert das Anschwellen. Achtung, nicht zu stramm anlegen, damit Blutzu- und abfuhr gewährleistet bleiben!
  • Hochlagern. Das Hochlagern der Hand (z. B. in einer Armschlinge) verhindert eine zu starke Durchblutung des verletzten Fingers und wirkt ebenfalls dem Anschwellen entgegen.

Bei starken Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ). Achtung: Aspirin (Acetylsalicylsäure) darf zur Schmerzbehandlung nicht verwendet werden, weil es blutverdünnend wirkt und es dadurch zu einer vermehrten Einblutung in das betroffene Gewebe kommen kann.

Hinweis: Bei Verletzungen der Hand sind Ringe, Armbänder und Uhren abzulegen, da das Anschwellen der Finger droht.

Konservativ

Einfache Kapselrisse und kleinere knöcherne Ausrisse stellt die Ärzt*in mit einer Fingerschiene aus Gips, Kunststoff oder Aluminium ruhig. Liegt eine Verrenkung vor, werden die Knochen vor Anlegen der Schiene durch dosierten Zug und Druck wieder eingerichtet, meist unter Lokalbetäubung. Die Schiene verbleibt 2 bis 3 Wochen am Finger. Vollständig verheilt ist ein Kapselriss am Finger nach etwa 6 Wochen, bei Begleitverletzungen kann die Heilung auch länger dauern.

Operativ

Eine operative Therapie empfiehlt sich bei starker Gelenkinstabilität sowie bei größeren verschobenen oder knöchernen Kapselbandausrissen, die nach konservativer Therapie oftmals zur frühzeitigen Arthrose führen. Je nach Verletzung richtet die Chirurg*in Verrenkungen offen ein, näht zerrissene Kapselanteile oder befestigt ausgerissene Knochenstücke mit Draht oder kleinen Schrauben. Manchmal blockiert sie das Gelenk auch vorübergehend mit einem Draht, um es ruhigzustellen.

Prognose

Einfache Gelenkkapselverletzungen heilen meist folgenlos. Bei erheblichen Begleitverletzungen können trotz operativer Versorgung Funktionsstörungen wie beispielsweise das Einsteifen eines Fingers zurückbleiben.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Geduld. Auch wenn 2 bis 3 Wochen nach einem Kapselriss die Fingerschiene entfernt wird, ist für die nächsten drei Wochen Schonung angesagt. Das bedeutet nicht nur Verzicht auf Sport, sondern auch Vorsicht im Alltag. Wann der Finger gezielt beübt und voll belastet werden darf, ist individuell verschieden und mit der Ärzt*in zu klären.

Leichte Massagen. Massieren Sie nach Abnahme der Fingerschiene den Bereich über dem betroffen Gelenk mit sanften (schmerzfreien!) kreisförmigen Bewegungen. Das fördert die Durchblutung und mobilisiert die Gelenkschmiere.

Vorsichtig bewegen. Greifübungen mit einem weichen Bällchen oder einer leeren Plastikflasche bereiten den Finger nach der Ruhigstellung auf das tägliche Leben vor. Zwischendurch lässt sich auch immer wieder eine kleine sanfte Fingergymnastik mit Beugen, Strecken oder Faustschluss einlegen. Achtung: Schmerzen sind ein Alarmsignal, dass der Finger zu sehr belastet wird.

Fingergymnastik im Wasserbad. Nach der Schienen-Therapie lässt sich der Finger besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5-mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser. Welche Bewegungen in welchem Ausmaß erlaubt sind, ist mit der behandelnden Ärzt*in abzuklären.

Prävention

Finger tapen. Vor allem bei Volleyball, Basketball, Handball oder auch beim Rugby versuchen die Spieler, ihre Finger durch prophylaktisches Tapen zu stabilisieren und damit vor Verletzungen zu schützen.

Technik erlernen. Fingerverletzungen drohen bei vielen Tätigkeiten. Vor allem beim Sport lassen sich Unfälle vermeiden, wenn man die Technik gut beherrscht. Bei Sportarten mit hohem Sturzrisiko ist ein Falltraining sinnvoll.

Karpaltunnelsyndrom

Karpaltunnelsyndrom (KTS, CTS): Häufigstes Nervenengpasssyndrom mit Schmerzen und Empfindungsstörungen an Daumeninnenseite, Zeige-, Mittel- und anteilig am Ringfinger. Die Symptome entstehen durch Einengung des vom Unterarm zu Hand und Fingern ziehenden Mittelnervs (Medianusnerv); Engstelle ist der Karpaltunnel an der Beugeseite des Handgelenks, der aus den Handwurzelknochen und dem darüber gespannten Band (Retinaculum flexorum) gebildet wird. Etwa 10 % aller Menschen über 40 Jahren leiden an der Erkrankung, Frauen 3 bis 4-mal so oft wie Männer. In 80 % der Fälle sind beide Hände betroffen. Bei leichten Beschwerden reichen manchmal konservative Maßnahmen wie das nächtliche Tragen einer Schiene oder die (kurzfristige) Gabe von Kortison. Ansonsten besteht die Behandlung in der offenen oder endoskopischen operativen Spaltung des Retinakulums. Die Beschwerden verschwinden anschließend in den meisten Fällen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Dumpfe Schmerzen, Brennen, Kribbeln oder Pelzigkeitsgefühl (wie "eingeschlafen”), Steifigkeits- und Schwellungsgefühl, v. a. an den Endgliedern des Zeige- und Mittelfingers, manchmal auch an Daumen und Ringfinger
  • Gelegentlich Beschwerden an der gesamten Beugeseite der Hand, auch mit Ausstrahlung bis in den Oberarm oder die Schulter
  • Vor allem nachts Beschwerden; Aufwachen aufgrund der Beschwerden
  • Besserung der Beschwerden durch Schütteln und Massieren der Hand
  • Verschlimmerung der Beschwerden durch extreme Beugung oder Überstreckung im Handgelenk
  • Später Rückbildung der Daumenmuskulatur.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn

  • Gefühlsstörungen oder Schmerzen in Hand oder Fingern länger als nur einige Tage anhalten.

Die Erkrankung

Der Mittelnerv (Medianusnerv, Nervus medianus) ist einer der drei Hauptnerven des Arms und so dick wie eine Kugelschreibermine. Vom Rückenmark im Halsbereich kommend zieht er über die Ellenbeuge und die Beugeseite des Unterarms bis in die Hand. Er steuert verschiedene Muskeln, die für die Beugung von Hand und Fingern zuständig sind. Außerdem leitet er Empfindungen von den Endgliedern des Zeige- und Mittelfingers, teilweise auch von Daumen und Ringfinger, zum Gehirn.

Krankheitsentstehung und Verlauf

Am Handgelenk verläuft der Mittelnerv zusammen mit den Sehnen der fingerbeugenden Muskeln durch eine anatomische Engstelle, den Karpaltunnel. Er befindet sich zwischen den Handwurzelknochen und einem straffen Band, dem Retinaculum flexorum, das den Knochen wie eine Brücke überspannt. Normalerweise hat der Nerv in diesem Bereich ausreichend Platz. Schwillt das Band oder das Gewebe im Karpaltunnel jedoch an, wird es zu eng. Das passiert etwa durch Überlastung, eine chronische Entzündung, z. B. eine rheumatoide Arthritis, im letzten Drittel der Schwangerschaft durch vermehrte Wassereinlagerung oder nach einem Knochenbruch. Der Nerv gerät dann unter Druck und quittiert dies mit einer Funktionsstörung. Zuerst kommt es zu Empfindungsstörungen und Schmerzen, später auch zu einer Schwäche der Fingermuskeln. Nach längerer Krankheitsdauer entstehen Schwierigkeiten beim Abspreizen des Daumens, später oft auch bei der Beugung des Zeige- und Mittelfingers. Gleichzeitig fällt auf, dass der Daumenballen dünner wird, weil Muskulatur abgebaut wird.

Häufigkeit, Ursachen und Risikofaktoren

Das Karpaltunnelsyndrom ist das häufigste Nervendrucksyndrom, es kommt bei bis zu 10 % der Bevölkerung vor. Frauen leiden 3 bis 4-mal häufiger als Männer darunter, das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 40 und 70 Jahren.

In 90 % der Fälle lässt sich keine direkte Ursache für die Erkrankung ermitteln. Gelegentlich finden sich lokale Ursachen, z. B.

  • ein Ganglion
  • ein fehlverheilter Bruch im Bereich des Handgelenks, Handwurzelbruch
  • eine Verrenkung der Handwurzelknochen
  • eine Handgelenksarthrose
  • eine chronische Sehnenscheidenentzündung.

Als Risikofaktoren gelten familiäre Veranlagung, Übergewicht, Schwangerschaft, Dialysepflicht, Rheumatoide Arthritis sowie endokrine Erkrankungen wie z. B. Schilddrüsenstörungen und Diabetes mellitus.

Karpaltunnelsyndrom als Berufskrankheit

Auch monotone Arbeitsabläufe im Beruf, zum Beispiel stundenlanges Halten handgeführter Motorsägen und Steinbohrer begünstigen langfristig das Entstehen eines Karpaltunnelsyndroms. 2015 wurde das Karpaltunnelsyndrom deshalb in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Menschen mit berufsbedingtem Karpaltunnelsyndrom haben damit einen Anspruch auf Überprüfung ihres Falles durch die gesetzliche Unfallversicherung. Stuft diese die Erkrankung als berufsbedingt ein, erhält der Betroffene weitreichende Leistungsansprüche.

Diagnosesicherung

Die oben beschriebenen Beschwerden und ein auslösbarer Druckschmerz über der Beugeseite des Handgelenks lassen ein Karpaltunnelsyndrom vermuten. Zwei einfache Tests erhärten den Verdacht:

  • Phalen-Test. Hier winkelt die Patient*in die Hand für eine Minute maximal an. Kommt es danach zu Gefühlsausfällen im Bereich der Finger (zum Beispiel beim Bestreichen der Haut mit einer Nadel oder einem Wattebausch), ist dies ein Zeichen für ein Karpaltunnelsyndrom.
  • Hoffmann-Tinel-Zeichen. Dabei wird der Karpaltunnel beklopft (z. B. mit den Fingern oder einem Reflexhämmerchen). Kommt es dadurch zu Schmerzen oder elektrisierenden Missempfindungen in den betroffenen Fingern, ist das Zeichen positiv.

Für den endgültigen Beweis ist die Neurolog*in zuständig. Um andere Nervenschädigungen, etwa im Bereich der Halswirbelsäule, auszuschließen, misst man die Nervenleitgeschwindigkeit des Mittelnervs, wobei zum Vergleich immer die Gegenseite mitbestimmt wird. Im Zweifel ist auch eine elektromyografische Untersuchung (EMG) der Daumenmuskulatur hilfreich. Ein Kernspin ist nur notwendig, wenn es Anhaltspunkte für (extrem rare) Tumoren in diesem Bereich gibt.

Differenzialdiagnosen. Der Mittelnerv kann auch durch Verletzungen, wie z. B. bei Knochenbrüchen des Arms, geschädigt werden. Muskelschwund am Daumenballen ist auch ein Symptom der Rhizarthrose. Weitere häufige Differenzialdiagnosen sind Polyneuropathien oder zervikale Radikulopathien, also Nervendrucksyndrome durch Engpässe aufgrund knöcherner Veränderungen an der Halswirbelsäule.

Behandlung

Die Therapie umfasst in leichteren Fällen verschiedene konservative Maßnahmen:

  • Nächtliche Schonung des Handgelenks mit einer gepolsterten Schiene, die das Handgelenk in Streckstellung hält. Das ist nötig, weil in der Nacht die Hand oft unwillentlich abknickt und sich der Karpaltunnel dadurch zusätzlich verengt
  • Tagsüber Tragen der Schiene oder Handgelenksmanschette, wenn sie bei der Arbeit nicht hinderlich ist
  • Kortisontabletten, zunächst 20 mg über 2 Wochen, danach 10 mg für weitere 2 Wochen, aufgrund der Nebenwirkungen jedoch nicht länger als 4 Wochen.
  • Injektion von Kortison (z. B. Methylprednisolon) in den Karpaltunnel (bis zu 3-mal). Häufigere Spritzen werden nicht empfohlen, da Kortison langfristig zum Abbau von Gewebe führt.

Schwere Fälle erfordern eine (zumeist ambulante) operative Behandlung, d. h. die Spaltung des den Karpaltunnel überspannenden Bandes. Dabei durchtrennt die Ärzt*in das Retinakulum entweder offen (über einen Längsschnitt an der Beugeseite der Hand) oder im Rahmen einer Gelenkspiegelung. Die endoskopische Operation führt zu geringeren Narbenbeschwerden, ermöglicht aber nicht immer die vollständige Spaltung des Retinakulums. Zudem ist das Risiko für Verletzungen von Sehnen, Nerven und Gefäßen etwas höher. Nach der Operation lassen die Beschwerden rasch nach. Eine anschließende Ruhigstellung ist nicht zwingend notwendig. Im Gegenteil: Schon am ersten postoperativen Tag sollten die Finger bereits wieder aktiv bewegt werden, um Schwellungen und Fingersteife vorzubeugen. Die Normalisierung der Handfunktion lässt sich durch gezielte physiotherapeutische Übungen beschleunigen.

Behandlungskomplikationen

  • Während des Eingriffs sind Verletzungen von Nerven oder Gefäßen möglich, die sofort mikrochirurgisch versorgt werden müssen. Manchmal kommt es nach der Operation zur Einblutung in den Karpaltunnel oder zu einer Wundinfektion, was ebenfalls eine sofortige Revisions-Operation erforderlich macht.
  • Eine weitere Komplikation ist der postoperative Schnappfinger durch Verletzung oder Einklemmung einer Sehnenscheide. Auch dies wird durch einen weiteren Eingriff korrigiert.
  • Wie bei allen operativen Eingriffen am Handgelenk droht außerdem ein Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS, auch Sudeck-Erkrankung genannt). Außerdem können Bewegungseinschränkungen zurückbleiben.

Prognose

Die Operation bessert bei 80 % der Patient*innen die Beschwerden deutlich. Wurde jedoch erst sehr spät, d. h. mehr als 3 Jahre nach Beginn der Beschwerden operiert, können lebenslange Einschränkungen, vor allem Taubheitsgefühle, bestehen bleiben.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Monotone Anstrengung vermeiden. Meiden Sie, wann immer möglich, übermäßige Anstrengungen der Hände. Gefährlich sind insbesondere Tätigkeiten, bei denen die Hände längere Zeit im Handgelenk gestreckt oder gebeugt sind, z. B. Fahrradfahren.

Ergonomisch arbeiten. Wenn Sie beruflich viel an einer Tastatur arbeiten, achten Sie auf einen einen ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz. Dies beinhaltet z. B. ergonomische Tastaturen, ein Auflagepolster vor der Tastatur, eine größere oder vertikal funktionierende PC-Maus oder einen Touchscreen.

Pausen machen. Gönnen Sie Ihren Händen regelmäßige Pausen, um sich zu erholen. Es reicht aus, kurz aufzustehen und die Hände locker zu bewegen.

Hände abbrausen. Nach Tätigkeiten, die das Handgelenk belasten, helfen kurze kalte bis lauwarme Wassergüsse, die mit einer Brause von den Händen zum Unterarm geführt werden.

Ausschütteln. Wenn Sie nachts mit eingeschlafener Hand aufwachen, lassen sich die Beschwerden meist mit kräftigem "Ausschütteln" in den Griff bekommen.

Komplementärmedizin

Bei mäßigen Beschwerden bzw. im Anfangsstadium können Magnettherapie, Akupunktur und Ultraschallwellen einen Versuch wert sein. Verlangt das Krankheitsbild nach einer Operation, sind sie jedoch keine Alternative.

Weiterführende Informationen

Mittelhandbruch

Mittelhandbruch (Metakarpalfraktur): Bruch einer der fünf Mittelhandknochen, meist durch Sturz auf die Hand oder einen starken Anprall, z. B. bei einem Faustschlag gegen die Wand. Der Mittelhandbruch macht sich mit starken Schmerzen und geschwollenem Handrücken bemerkbar, betroffen sind vor allem junge Männer. Zur Behandlung reicht häufig eine mehrwöchige Ruhigstellung. Ist der Bruch allerdings verdreht, verschoben oder befindet er sich in Gelenknähe, muss operiert werden, um Fehlstellungen zu vermeiden.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Druck- und Bewegungsschmerz
  • Meist ausgeprägte Schwellung
  • Starke Bewegungseinschränkung
  • Schmerzen beim Bewegen des Unterarms (bei Bruch des Daumengrundgelenks)
  • Sichtbare Fehlstellung.

Wann in die Arztpraxis

Gleich nach dem Unfall, wenn

  • oben genannte Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Die fünf Mittelhandknochen (Metakarpalknochen) befinden sich zwischen den Knochen der Finger und der Handwurzel. Häufigste Ursache für Brüche sind starke Gewalteinwirkung wie Faustschläge im Rahmen gewalttätiger Auseinandersetzungen, aber auch Stürze auf die Hand oder Sportunfälle. Bei Hobbyboxern ist aufgrund mangelhafter Technik oft der Mittelhandknochen des kleinen Fingers betroffen, weshalb man diesen Bruch auch Boxerfraktur (Boxer´s fracture) nennt.

Nicht immer ist starke Gewalt nötig, damit die Mittelhandknochen brechen. Bei verringerter Knochendichte (Osteoporose) genügen schon Lappalien.

Formen und Einteilung

Brüche an Mittelhandknochen haben die Besonderheit, dass sie oft schräg oder spiralförmig verlaufen. Die Bruchflächen verschieben sich dadurch häufig gegeneinander oder verkippen sogar.

Je nach Lage teilt man Mittelhandknochenbrüche folgendermaßen ein:

  • MC-Basisfraktur: Bruch des basisnahen (handwurzelnahen) Teils eines Mittelhandknochens (Metakarpalknochens, Abk. MC)
  • MC-Schaftfraktur: Bruch im Schaftbereich des Mittelhandknochens
  • Metacarpale Köpfchenfrakturen: Bruch im zu den Fingern zeigenden Bereich des Knochens.

Basisnahe Brüche des Daumengrundgelenks (Metakarpalknochen 1 oder MC1) werden nach Lokalisation und Verlauf zusätzlich eingeteilt:

  • Winterstein-Fraktur. Dieser gerade oder schräge Bruch verläuft außerhalb der Gelenkkapsel.
  • Bennett-Fraktur. Hier handelt es sich um einen schrägen Bruch im Bereich der Gelenkkapsel des Daumengrundgelenks.
  • Rolando-Fraktur. Dieser Bruch zeichnet sich durch einen Y-förmigen Verlauf aus, d. h., die Basis des Daumengrundgelenks ist in 3 Teile gebrochen.

Komplikationen

Mittelhandbrüche werden oft von Verletzungen der dort verlaufenden Sehnen, Gefäße oder auch Nerven begleitet. Bei geschlossenen Verletzungen und starker Ödembildung tritt manchmal ein Kompartmentsyndrom auf.

Langfristig drohen vor allem zwei Komplikationen: Das Einsteifen des Gelenks (begünstigt durch nicht ausreichende Physiotherapie) und die Entwicklung einer Arthrose, im Fall des Daumens einer Rhizarthrose.

Diagnosesicherung

Die oben genannten Beschwerden und klinischen Befunde lenken sofort den Verdacht auf einen Mittelhandbruch. Oft lassen sich die Schmerzen verstärken, wenn die Ärzt*in den betroffenen Finger in seiner Längsachse staucht – ein einfacher, aber nicht ganz sicherer Test.

Zur Diagnosesicherung sind Röntgenaufnahmen erforderlich, bei komplizierteren Verletzungen mit Gelenkbeteiligung auch eine CT zur besseren Beurteilung. Um begleitende Verletzungen von Gefäßen und Nerven nicht zu übersehen, prüft die Ärzt*in Durchblutung, Beweglichkeit (Motorik) und Sensibilität von Hand und Fingern. Besteht diesbezüglich ein Verdacht, hilft ein MRT weiter.

Differenzialdiagnosen. Schmerzen und Schwellungen im Bereich der Hand werden auch durch Prellungen und Zerrungen sowie Sehnen- oder Bandverletzungen verursacht. Des Weiteren ist abzuklären, ob andere Brüche vorliegen, z. B. ein Handwurzelbruch oder Kahnbeinbruch oder ein Speichenbruch.

Behandlung

Sofortmaßnahmen: Die nötigen Sofortmaßnahmen sind in der PECH-Regel zusammengefasst:

  • Pause: Hand sofort ruhigstellen und schonen.
  • Kühlen (Eis): Gelenk 15 bis 20 Minuten lang kühlen. Dabei dürfen Eiswürfel und Coolpacks nicht direkt, sondern nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut kommen, da sie sonst Kälteschäden hervorrufen.
  • Kompression (compression): Ein Kompressionsverband lindert das Anschwellen. Achtung, nicht zu stramm anlegen, damit Blutzu- und abfuhr gewährleistet bleiben!
  • Hochlagern. Das Hochlagern von Hand und Arm verhindert eine zu starke Durchblutung des Fingers und wirkt ebenfalls dem Anschwellen entgegen.

Hinweis: Bei Verletzungen der Hand sind Ringe, Armbänder und Uhren abzulegen, da das Anschwellen der Finger droht.

Nachsorge. Je nach Verfahren beginnen die physiotherapeutischen Übungen ohne Belastung schon ab dem 1. bis 3. Tag nach Operation. Ab der 4. Woche darf die Hand uneingeschränkt bewegt, ab der 8. auch wieder belastet werden.

Konservativ

Sind die Knochenbruchstücke nicht oder kaum verschoben oder verdreht, ist eine konservative Behandlung ausreichend. Die Ärzt*in richtet den Bruch bei Bedarf in lokaler Betäubung oder Kurznarkose ein und stellt den Knochen gemeinsam mit dem Nachbarfinger anschließend für 4 Wochen ruhig. Dazu verwendet sie einen Unterarm(kunststoff)gips oder eine individuell angepasste Gipsschiene mit Fingereinschluss. Manchmal kommen auch vorgefertigte Schienen zum Einsatz, z. B. Mittelhandschienen aus Kunststoff oder Fingerschienen aus Aluminium.

Nachsorge. Nach Abnahme des Gipses oder der Schiene muss die Patient*in einen Kompressionshandschuh tragen, der die Hand weiter stabilisiert und Schwellungen entgegenwirkt. Gleichzeitig beginnt die Physiotherapie. Zunächst stehen aktive Bewegungen auf dem Plan, später kommen Belastungen hinzu. Ab der 6. Woche nach dem Unfall ist der Finger meist wieder belastungsstabil, nach einem halben Jahr darf wieder geboxt werden.

Operativ

Folgende Brüche machen in der Regel eine Operation erforderlich:

  • Brüche mit einer Verdrehung im Bruchbereich (Drehfehler, Rotationsfehler, sie führen beim Faustschluss häufig zu einem Überkreuzen der Finger)
  • Stark verschobene Brüche oder Brüche mit einer Verkürzung des Mittelhandknochens > 0,5 cm
  • Brüche in Gelenknähe
  • Instabile Brüche
  • Offene Brüche oder vorhandene Begleitverletzungen
  • Basisnahe Brüche des Daumengrundgelenks (hier sind die Bruchstücke aufgrund des starken Zugs der Sehne des langen Daumenstreckers ohnehin meist verschoben).

Zur operativen Versorgung dieser Brüche gibt es verschiedene Verfahren. Winterstein-Frakturen oder einfache Brüche an der Basis eines Mittelhandknochens (MC-Basisfrakturen) lassen sich oft geschlossen einrichten und zur Stabilisierung mit einem Kirschner-Draht versorgen. Ansonsten werden die Brüche offen eingerichtet und die Knochen mit Schrauben, Miniplatten oder Drähten stabilisiert. Im Anschluss an die Operation ist eine Gipsruhigstellung für 1 bis 3 Wochen erforderlich.

Prognose

Mittelhandbrüche heilen in der Regel gut. Bei komplizierteren Formen können nach der Operation manchmal Fehlstellungen und Bewegungseinschränkungen, z. B. beim Greifen, zurückbleiben.

Was Sie selbst tun können

Übungen zu Hause. Damit die Hand wieder voll funktionstüchtig wird, sind die in der Physiotherapie erlernten Übungen am besten dreimal täglich zu Hause durchzuführen. Hier zwei Beispiele:

  • Faustschluss. Hand wiederholt zur Faust schließen und öffnen.
  • Kirschen klauen. Arme mit geöffneter Hand nach vorne heben, über dem Kopf ausstrecken, Handfläche zeigt nach oben. Hand zur Faust einrollen. Gestreckten Arm senken und an die Seite nehmen, dabei die Faust im Handgelenk nach hinten beugen. Mehrmals wiederholen.

Einfetten der Operationsnarbe. Harte, feste Operationsnarben können in der Handinnenfläche sehr stören. Cremen Sie die Narbenhaut mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme ein, um sie geschmeidig zu halten.

Handbäder. Nach Abnahme der Schienen lässt sich die Hand besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren, z. B. durch wiederholtes Öffnen und Schließen der Hand zur Faust. Empfohlen werden 5-mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser. Welche Bewegungen in welchem Ausmaß erlaubt sind, ist mit der behandelnden Ärzt*in abzuklären.

Vorsicht mit Sport

Wie schnell nach der Behandlung eines Mittelhandbruchs wieder Sport getrieben werden darf, hängt von der Form der Behandlung und von der Sportart ab.

  • Nach konservativer Behandlung dauert es meist 3 Monate, bis Low-Impact-Sportarten erlaubt sind. Das ist Sport ohne starke Gelenkbelastung und Kraftspitzen wie etwa Radfahren, Schwimmen oder Wandern. Bei Kontaktsportarten oder Sport mit ausgeprägter Gelenkbelastung durch Drehungen oder Sprünge (High-Impact-Sportarten) rät die Ärzt*in meist zu einer Pause von mindestens einem halben Jahr.
  • Wurde der Bruch operativ versorgt, ist Sport oft früher wieder möglich. Bei Low-Impact-Sportarten meist nach etwa 2, bei High-Impact-Sportarten nach etwa 3 Monaten.

Richtig boxen. Der Boxerbruch ist bei Profis selten, bei Hobby-Boxern dagegen häufig. Hier hilft es, die richtige Technik zu erlernen, damit die Kraft auf die stabileren Mittelhandknochen von Zeige-, Mittel- und Ringfinger gelenkt wird.

Weiterführende Informationen

Mondbeinnekrose

Häufigkeit: 1

Mondbeinnekrose (Morbus Kienböck, Lunatumnekrose, Lunatummalazie): Teilweises oder vollständiges Absterben des Mondbeins, eines kleinen, aber wichtigen Handwurzelknochens im Handgelenk. Die Erkrankung ist mit starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Hand verbunden, unbehandelt verläuft sie fortschreitend bis zur völligen Auflösung des Knochens. Eine Ursache ist die anlagebedingte Verkürzung der Elle im Vergleich zur Speiche. Außerdem können Verletzungen oder dauerhafte, vibrierende Belastungen des Handgelenks (z. B. bei mehrjähriger Arbeit an Pressluftwerkzeugen) eine Mondbeinnekrose auslösen.

Im Frühstadium lässt sich die Erkrankung manchmal durch Ruhigstellen mit einer Bandage oder Gipsschiene aufhalten. In den allermeisten Fällen ist jedoch eine Operation erforderlich, um die Schmerzen zu reduzieren und die Stabilität des Handgelenks zu erhalten.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzen im Handgelenk, vor allem mittig an der Oberseite
  • Verstärkung des Schmerzes durch Bewegung und Druck oder beim Aufstützen der Hand
  • Später Ausstrahlen der Schmerzen bis in den Unterarm
  • Einschränkung der Beweglichkeit des Handgelenks.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn

  • Schmerzen im Handgelenk auftreten.

Die Erkrankung

Das Mondbein sitzt in der Mitte der ersten Reihe der 8 Handwurzelknochen und bildet dabei ein Gelenk mit der Speiche des Unterarms. Durch seine Position hat es eine zentrale Bedeutung, sowohl bei der Bewegung des Handgelenks als auch für dessen Stabilität.

Bei der Mondbeinnekrose stirbt das Mondbein ab, ohne dass sich eine Ursache wie z. B. eine Infektion finden lässt. Deshalb zählt die Erkrankung auch zu den sogenannten aseptischen Knochennekrosen. Bei Männern entwickelt sich die Erkrankung 4-mal häufiger als bei Frauen. Expert*innen gehen davon aus, dass etwa 1 % der männlichen Bevölkerung davon betroffen ist, der Altersgipfel liegt zwischen 20 und 40 Jahren.

Warum das Mondbein abstirbt, ist unklar. Vermutet wird eine verminderte Durchblutung des Knochens, wodurch dieser immer schlechter ernährt und schließlich geschädigt und zerstört wird. Die Erkrankung entwickelt sich manchmal ohne erkennbaren Grund. Mögliche äußere Faktoren sind:

  • Erschütterungen oder Vibrationen, z. B. durch jahrelanges Arbeiten mit einem Presslufthammer oder Bodenverdichter (in diesen Fällen wird die Mondbeinnekrose als Berufskrankheit anerkannt)
  • Dauerhaftes Arbeiten mit überstreckter Hand
  • Angeborene verkürzte Elle, wodurch das Mondbein vermehrt belastet wird (liegt bei etwa 70 % der Patient*innen mit Mondbeinnekrose vor).

Stadieneinteilung

Die Erkrankung lässt sich anhand der bildgebenden Diagnostik in 5 Stadien einteilen:

  • Stadium 0: Schmerzen im Handgelenk, keine Veränderung des Mondbeins bei der bildgebenden Diagnostik.
  • Stadium 1: Verstärkte Schmerzen, Beginn der Bewegungseinschränkung im Handgelenk. Im MRT sind verdichtete Zonen des Mondbeins als Zeichen der beginnenden Erkrankung nachweisbar. Im Röntgenbild sind diese Gebiete nicht sicher zu erkennen, die Umrisse des Mondbeins sind noch erhalten.
  • Stadium 2: Das Mondbein zeichnet sich im Röntgenbild durch ein mosaikartiges Muster aus. Dieses Muster entsteht aus dem Nebeneinander von aufgelöstem Knochengewebe und Knochengebieten, in denen abgestorbenes Material durch Bindegewebe ersetzt wurde. Die Umrisse des Mondbeins sind aber noch zu erkennen.
  • Stadium 3: Im Röntgenbild besteht das Mondbein nur noch aus Bruchstücken, die Umrisse sind nicht mehr zu erkennen.
  • Stadium 4: Das Mondbein ist im Röntgenbild völlig zerstört, es zeigen sich die typischen Arthrosezeichen im Handgelenk (Gelenkspaltverschmälerung, Knochenanbauten, verdichtete Knochenstruktur), häufig sind auch Nachbarknochen beschädigt.

Diagnosesicherung

Die geschilderten Schmerzen und auch die klinische Untersuchung ermöglichen meist nicht, das Mondbein als Verursacher der Beschwerden dingfest zu machen. Denn sowohl der Druckschmerz auf dem Handrücken als auch eine Instabilität der Handwurzelknochen können vielerlei Ursachen haben.

Für die sichere Diagnose sind deshalb bildgebende Verfahren erforderlich. Im Röntgenbild ist die Mondbeinnekrose in der Regel gut zu erkennen – allerdings nicht immer schon im Stadium 1. Besteht der Verdacht und das Röntgenbild ist nicht eindeutig, hilft das empfindlichere (kontrastmittelgestützte) MRT weiter.

Differenzialdiagnosen. Besonders das frühe Stadium der Erkrankung wird leicht mit einer Sehnenscheidenentzündung verwechselt. Weitere Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden sind die Rheumatoide Arthritis, die Handgelenksarthrose oder Brüche an der Hand wie z. B. der Kahnbeinbruch.

Behandlung

Im Stadium 1 lassen sich die Veränderungen manchmal durch eine dreimonatige Ruhigstellung des Handgelenks mit einem Gips oder einer Bandage aufhalten. Verbessert sich die Durchblutung des Mondbeins durch die Ruhigstellung, kann man eine Operation zunächst aufschieben.

Operativ

Die Wahl der operativen Behandlung richtet sich nach dem Befund im Röntgenbild.

  • Verkürzung der Speiche. Dieses Verfahren wählt man bei verkürzter Elle. Die operative Verkürzung der Speiche um wenige Millimeter entlastet das Mondbein, eine weitere Schädigung des Knochens wird dadurch also aufgehalten.
  • Entfernung des Mondbeins. Bei dieser als Saffar-Operation bezeichneten Operation entfernt die Handchirurg*in das Mondbein und ersetzt es mit einem anderen Handwurzelknochen, z. B. dem weniger wichtigen Erbsenbein.
  • Versteifung des Handgelenks (Arthrodese). Ist das Mondbein schon aufgelöst und sind andere Handwurzelknochen mitbetroffen, muss das Handgelenk meist komplett versteift werden. Dies geschieht mit Drähten und Schrauben in leichter Streckstellung. Die Schmerzen lassen sich dadurch gut beherrschen. Das Handgelenk ist danach zwar steif, die Finger aber noch beweglich, und auch die Drehung der Hand (da dies im Unterarm geschieht) ist noch möglich.

Der Ersatz des Mondbeins mit einem künstlichen Implantat (z. B. aus Silikon) hat sich bisher nicht bewährt, da die Implantate nicht ausreichend stabil waren.

Prognose

Unbehandelt stirbt das Mondbein ab, das Handgelenk wird arthrotisch und steift am Ende deformiert ein. Bei einer operativen Behandlung der Mondbeinnekrose bleiben je nach erforderlichem Verfahren zwar häufig Bewegungseinschränkungen zurück, die Schmerzen werden durch den Eingriff in aller Regel aber genommen.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Wachsam sein. Falls Sie einen Risikoberuf ausüben, also permanent z. B. mit einem Presslufthammer oder Bodenverdichter arbeiten, suchen Sie bei Schmerzen im Handgelenk frühzeitig eine Orthopäd*in auf.

Warten auf die Operation. Bis zur anberaumten Operation ist es empfehlenswert, eine Handgelenksorthese zu tragen. Dadurch wird die Bewegung des Handgelenks verhindert und die Zerstörung des Knochens aufgehalten. Damit die Hand nicht einsteift, muss die Orthese zwischendurch abgenommen werden, um vorsichtige Bewegungen zu ermöglichen.

Nach der Operation. Nach Abnahme des Gipses ist es ratsam, immer wieder das Handgelenk und die Finger zu mobilisieren.

  • Lassen Sie beide Hände immer wieder vorsichtig kreisen, z. B. beim Fernsehen, in kleinen Pausen bei der Schreibtischarbeit oder bei anderen Alltagsgelegenheiten.
  • Beugen, Strecken und Dehnen Sie Handgelenk und Fingergelenke.
  • Machen Sie diese Übungen auch in der Badewanne oder bei einem warmen Handbad.
  • Überlasten Sie Ihre Hände nicht! Vor allem Druckbelastungen wie das Aufstützen mit den Händen auf dem Tisch belasten die Knochen sehr.
  • Massieren Sie Ihre Hände mit fettreicher Creme, besonders auch die Operationsnarbe, damit diese geschmeidig wird.

Morbus Dupuytren

Morbus Dupuytren (Dupuytren-Kontraktur, Dupuytrensche Krankheit): Strangförmige Verdickung und Verkürzung der Bindegewebsplatte (Palmaraponeurose) unter der Haut der Handfläche mit einer zunehmenden Einwärtskrümmung der Finger. Die schmerzlos fortschreitende Erkrankung betrifft zu 85 % Männer (meist über 50 Jahren), überwiegend an beiden Händen. Bekannt ist eine familiäre Veranlagung ebenso wie eine Häufung bei Personen mit Diabetes, Epilepsie, Alkoholismus und bei Rauchern. Zur Behandlung stehen verschiedene, unterschiedlich invasive Verfahren zur Verfügung. In den meisten Fällen ist ein handchirurgischer Eingriff, z. B. die operative Entfernung der Palmaraponeurose, erforderlich.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Tastbare, später auch sichtbare Knoten und Stränge in der Hohlhand und an der Beugeseite der Finger
  • Zunehmende Krümmung der Finger, meist beginnend an Ring- und Kleinfinger; v. a. im Grund- und Mittelgelenk ist keine volle Streckung mehr möglich
  • Manchmal Schmerzen in der Hohlhand.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Wochen, wenn

  • Knoten an der Handinnenseite oder Streckhemmungen der Finger auffallen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

In der Innenhand befindet sich zwischen der Haut, den Beugesehnen und den Nerven eine fächerförmig angeordnete Gewebsschicht, die Palmaraponeurose. Sie hat die Aufgabe, die Sehnen und Nerven der Hand vor Verletzungen zu schützen. Beim Morbus Dupuytren produzieren die Bindegewebszellen der Palmaraponeurose aus unbekannten Gründen vermehrt das Struktureiweiß Kollagen. Folge ist eine schmerzlose, fortschreitende Verdickung und Verkürzung der Bindegewebsplatte. Sie führt dazu, dass die Finger insbesondere im Grund- und Mittelgelenk zunehmend einwärts gezogen werden und sich nicht mehr vollständig strecken lassen (Beugekontraktur). Ring- und Kleinfinger sind meistens als Erste betroffen, später greift die Erkrankung manchmal auf die Hohlhand und den Mittelfinger über, in seltenen Fällen auch auf Daumen und Zeigefinger. Werden durch die Stränge und Knoten Nerven oder Gefäße gereizt, kommt es zusätzlich zu Schmerzen.

Ähnliche Krankheitsbilder mit gutartigen Wucherungen und Verhärtungen von Bindegewebsplatten finden sich manchmal auch an anderen Körperstellen, oft begleitend zum Morbus Dupuytren. Sie betreffen vornehmlich die Fußsohle (Morbus Ledderhose) und den Penis (Induratio penis plastica), selten auch die Bauchwand (Fasziitis nodularis).

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache für den Morbus Dupuytren ist noch nicht geklärt. Genetische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt. Zudem folgt der Morbus Dupuytren manchmal auf offene Verletzungen der Handinnenfläche oder Brüche an Hand und Arm. Begünstigend sollen zudem hoher Alkoholkonsum (wahrscheinlich über die dabei häufig erhöhten Blutfette) und Rauchen wirken.

Es gibt etliche Erkrankungen, bei denen der Morbus Dupuytren vermehrt auftritt. Ob dies ursächlich oder nur zufällig ist, wird noch diskutiert. Wahrscheinlich liegt das an den erhöhten Blutfetten wie sie bei Diabetes mellitus und manchen Fettstoffwechselstörungen auftreten. Auch bei Menschen mit Leberzirrhose oder einer Epilepsie entwickelt sich die Beugekontraktur häufiger.

Diagnosesicherung

Die Diagnose ergibt sich aus dem sicht- und tastbaren Befund und der Prüfung der Fingerbeweglichkeit. Solange noch keine Beugekontrakturen bestehen, erfolgen nur Verlaufskontrollen.

Differenzialdiagnose. Bei der angeborenen Kamptodaktylie kommt es ebenfalls zu einer Beugekontraktur des kleinen Fingers oder Ringfingers.

Behandlung

In der Frühphase, bei der sich vereinzelt Knoten zeigen, aber noch keine Funktionseinschränkung beim Strecken der Finger vorliegen, wird zunächst Abwarten empfohlen. Stellen sich Schmerzen beim Umgreifen von Gegenständen ein oder entwickelt sich eine Streckhemmung, bieten sich die folgenden Verfahren an:

  • Bestrahlung. In sehr frühen Stadien kann die Röntgenbestrahlung das Fortschreiten der Erkrankung für etliche Jahre aufhalten und so eine Operation hinauszögern.
  • Nadelfasziotomie. Hier sticht die Ärzt*in nach lokaler Betäubung der Hand die bindegewebigen Stränge mit einer Nadel an. Die dadurch beschädigten und gelockerten Stränge lassen sich dann per Hand strecken und zerreißen. Danach empfiehlt sich nachts das Tragen einer Schiene, die die Finger in Streckstellung hält. Leider kommt es nach diesem Eingriff manchmal wieder zu Beschwerden. Das Verfahren ist jedoch unkompliziert und kann wiederholt angewendet werden. Es eignet sich besonders in frühen Stadien, gilt aber auch als Alternative, wenn in späten Stadien eine Operation nicht möglich ist.
  • Injektion von Kollagenase. Dieses Verfahren ähnelt der Fasziotomie. Es wird ein Enzym, das Kollagen spaltet, unter die Stränge gespritzt und diese dann mechanisch zerrissen. In Deutschland ist der Wirkstoff aus Kostengründen nicht mehr auf dem Markt, im Ausland wird er weiterhin verwendet. Langzeitergebnisse stehen noch aus.
  • Faszienspaltung. Hier werden die bindegewebigen Stränge in einer offenen Operation an der Hand aufgetrennt.
  • Partielle oder totale Entfernung der Palmaraponeurose (Fasziektomie). Wenn es dem Betroffenen nicht mehr gelingt, die erkrankte Hand flach auf den Tisch zu legen (Streckdefizit von mehr als 20° in Fingergrundgelenken), ist die Zeit für eine operative Entfernung der Palmaraponeurose gekommen. Der Eingriff lässt sich meist ambulant durchführen. Er wird umso schwieriger und risikoreicher, je länger die Krankheit besteht, da dann die narbigen Verwachsungen im Bereich der Sehnen(scheiden), Nerven und Blutgefäße zunehmen.
  • Dermofasziektomie. Ist auch die Haut der Handfläche stark geschrumpft, muss zusätzlich eine Z-Plastik vorgenommen werden. Dabei wird die Haut zickzackförmig eingeschnitten und in auseinandergezogener Form wieder vernäht. Alternativ verschließt man offene Stellen mit einer Spalthauttransplantation oder lässt sie langsam von selbst zuheilen. Dieser Eingriff hat ein sehr hohes Infektionsrisiko, außerdem ist die Heilung der Hand langwierig.
  • Amputation des kleinen Fingers. In sehr schweren Fällen kann im Rahmen der Fasziektomie auch die Entfernung des kleinen Fingers erforderlich werden.
  • Krankengymnastik und Physiotherapie dürfen begleitend eingesetzt werden, vermögen aber allein bei der Dupuytrenschen Beugekontraktur wenig auszurichten.

Nachbehandlung

Zur Nachbehandlung gehören intensive Bewegungsübungen und Eisanwendungen; nach Hautverpflanzungen ist anfangs eine Ruhigstellung, bei verbliebenen Streckhemmungen eine Schienenbehandlung angezeigt. Zur Behandlung anhaltender Schwellungen verschreibt die Ärzt*in Lymphdrainagen und einen Kompressionsfingerling oder -handschuh, der auf die betroffenen Finger sanften, aber stetigen Druck ausübt und damit die angestaute Gewebsflüssigkeit herausdrückt.

Prognose

Bei rechtzeitiger Operation sind die Chancen gut, dass die Finger wieder frei beweglich werden. Lässt sich die Palmaraponeurose nur teilweise entfernen, droht allerdings in mindestens 15 % der Fälle ein Rückfall. Bei vollständiger Entfernung ist dieses Risiko geringer, allerdings treten dafür häufiger Komplikationen wie Nerven- und Gefäßverletzungen auf.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Physiotherapie und Krankengymnastik werden in ihrer Wirkung auf den Morbus Dupuytren unterschiedlich beurteilt. Je nach Ausmaß und Stadium können sie nach Rücksprache mit der behandelnden Ärzt*in aber begleitend eingesetzt werden.

  • Dehnübungen. Sie sollen Muskeln und Bindegewebe beweglich und elastisch halten. Wichtig dabei ist, immer beide Hände zu beüben, auch wenn nur eine davon betroffen ist.
    • Hand und Finger dehnen. Mit dem Gesicht zu einer Wand aufstellen, Arme in Schulterhöhe und Hände mit gespreizten Fingern an der Wand aufsetzen und dagegen drücken.
    • Finger einzeln dehnen. Unterarm und Handfläche auf einem Tisch ablegen, Finger spreizen. Die Finger einzeln anheben und kurz oben halten.
    • Finger spreizen. Fingerbeeren einer Hand aneinander bringen, ein Haargummi oder breites Gummiband darumlegen. Dann alle Finger langsam auseinanderspreizen, sodass das Haargummi bis an das Handgelenk rutscht.
  • Wärme. Warme Handbäder oder warme Packungen entspannen die Hände und werden von vielen Betroffenen als angenehm empfunden.
  • Massagen und manuelle Therapie. Versteifte Fingergelenke lassen sich manchmal durch eine manuelle Therapie mobilisieren. Auch Handmassagen sind oft wohltuend, sie verbessern die Durchblutung und lockern das Gewebe.

Weiterführende Informationen

  • www.dupuytren-patienteninfo.de – Informative und gut bebilderte Internetseite des leitenden Arztes der Klinik für Handchirurgie, Essen: Übersichtliche Darstellung des Morbus Dupuytren.

Rhizarthrose

Rhizarthrose. Arthrose des Daumensattelgelenks zwischen Handwurzel und erstem Mittelhandknochen. Sie äußert sich durch ausgeprägte Bewegungsschmerzen, später kommen Bewegungseinschränkungen des Daumens hinzu. Die Rhizarthrose ist häufig, betroffen sind vor allem Frauen nach der Menopause. In vielen Fällen lassen sich die Beschwerden mit konservativen Maßnahmen wie Schonung, Schmerzmitteln und dem Tragen einer Daumenorthese bei Belastung lindern. Reicht dies nicht aus, stehen in der nächsten Stufe Kortisoninjektionen und verschiedene operative Verfahren zur Verfügung.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Ausgeprägte Schmerzen bei Bewegung des Daumens
  • Später Bewegungseinschränkungen und Kraftminderung, was sich zum Beispiel beim Schreiben, Zuknöpfen oder beim Öffnen von Flaschen bemerkbar macht
  • Ruheschmerzen
  • Schwellung im Bereich des Daumenballens.

Wann in die Arztpraxis

Bei Gelegenheit, wenn

  • über längere Zeit Schmerzen oder eine Schwellung des Daumenballens besteht.

Die Erkrankung

Das Daumensattelgelenk verbindet den Daumen mit der Handwurzel, es liegt zwischen dem ersten Mittelhandknochen und dem Großen Vieleckbein (Os trapezium). Durch seinen sattelförmigen Aufbau ermöglicht es eine große Beweglichkeit des Daumens. Das gilt vor allem für die Opposition, d. h. das Gegenüberstellen zu den anderen Fingern und damit das Greifen.

Als Dreh- und Angelpunkt beim Greifen, Schreiben, Festhalten und vielen anderen Handbewegungen ist das Daumensattelgelenk im Laufe des Lebens einer sehr hohen Belastung ausgesetzt. Dadurch drohen Verschleißerscheinungen, die schließlich in arthrotische Veränderungen münden können: Durch die Abnutzung des Gelenkknorpels entwickeln sich kleine, störende Knochenneubildungen (Osteophyten), die Gelenkfläche wird rauer und der Gelenkspalt verschmälert sich. Häufig verrutscht der erste Mittelhandknochen (also der "Basisknochen" des Daumens) auch in Richtung Speiche, was die Bewegungseinschränkungen weiter verstärkt.

Ursachen

Der natürliche, altersbedingte Verschleiß des Daumensattelgelenks wird durch verschiedene Faktoren gefördert:

  • Mechanische Überbelastung des Daumens
  • Vorangegangene Verletzungen im Bereich des Daumensattelgelenks
  • Hormonelle Veränderungen (die Rhizarthrose tritt bei Frauen vor allem nach der Menopause auf).

Klinik und Verlauf

Die Erkrankung beginnt häufig mit Schmerzen beim Greifen und beim Drehen von Verschlüssen. Weil das Gelenk durch die Arthrose gereizt ist, kommt es zu einer gut sichtbaren Schwellung des Gelenks. Weil sich vermehrt Gelenkflüssigkeit bildet, spannt die Gelenkkapsel und verstärkt die Schmerzen zusätzlich. Schreitet die Arthrose fort, schmerzt das Gelenk auch in Ruhe. Manchmal strahlen die Schmerzen in die anderen Finger und bis in den Unterarm aus.

Besonders belastend für die Betroffenen ist, dass auch die Beweglichkeit des Gelenks eingeschränkt ist. Normale Tätigkeiten wie z. B. das Öffnen von Flaschen, das Schreiben und der Pinzettengriff sind oft erheblich erschwert. Durch das fortwährende Schonen und Nicht-Benutzen des Daumens baut die Muskulatur ab, die Kraft kann deutlich vermindert sein.

Wie andere Arthrosen entwickelt sich die Rhizarthrose meist langsam. Manchmal verläuft sie auch Schüben, bei denen die Beschwerden in Intensität und Dauer variieren. Unbehandelt nehmen die Beschwerden aber immer weiter zu, bis die Betroffenen kaum noch schmerzfreie Phasen haben. Im Lauf der allmählich fortschreitenden Arthrose entstehen zunehmende Knorpelschäden – später auch Knochenschäden –, es drohen Verformungen und Versteifungen. In diesem Stadium werden Koordination und Bewegungen der Hand immer schlechter, im Endstadium droht die vollständige Funktionseinbuße des Daumens.

Diagnosesicherung

Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Daumen weisen meist deutlich auf eine Rhizarthrose hin. Bei der Untersuchung der Hand lässt sich oft die Schwellung im Bereich des Daumenballens erkennen, das Betasten des Gelenks ist schmerzhaft.

Ein typischer Test auf die Rhizarthrose ist der Grind-Test: Hierbei dreht die Ärzt*in den betroffenen Daumen mit vorsichtigem Druck leicht nach innen und nach außen. Der Test ist positiv – d. h. ein Rhizarthrose wahrscheinlich – wenn dabei eine Art Mahl- oder Reibegeräusch zu hören ist.

Im Röntgenbild der Hand zeigen sich die typischen Arthrosezeichen wie Gelenkspaltverschmälerung, raue Gelenkflächen und eine veränderte Struktur des gelenknahen Knochens (Verdichtung). Bei plötzlicher Verschlechterung lässt sich mit Blutuntersuchungen klären, ob ein akuter Arthroseschub oder eine rheumatische Erkrankung wie die Rheumatoide Arthritis vorliegt.

Differenzialdiagnosen. Sehr ähnliche Beschwerden macht die Tendovaginitis de Quervain oder auch ein Kahnbeinbruch.

Behandlung

Konservativ

In vielen Fällen lässt sich die Rhizarthrose mit konservativen Methoden lindern. Dazu gehören beispielsweise:

  • Ruhigstellung des Daumens. Hier ist neben dem Vermeiden schmerzauslösender Tätigkeiten das Tragen einer Daumenorthese hilfreich. Sie stellt das Gelenk ruhig und lindert dadurch die Schmerzen. Die Orthese sollte jedoch nicht dauerhaft, sondern nur bei Belastung angelegt werden. Ansonsten droht die Daumenmuskulatur zu verkümmern. Eine Alternative zur Orthese ist das Tapen des Daumens mit leicht elastischen Pflasterstreifen. Vorteil des Tapens ist, dass der Daumen zwar stabilisiert, aber nicht völlig ruhiggestellt ist.
  • Wärme und Kälte. Je nach Phase helfen Wärme oder Kälte. Wie sie am besten anzuwenden sind, finden Sie unter "Tipps aus Ihrer Apotheke".
  • Schmerzmittel. Sind die Schmerzen stark, ist die Einnahme von Schmerzmitteln erforderlich. Empfohlen werden dabei vor allem schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®), Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) oder Etoricoxib (z. B. Arcoxia®). Diese können in Tablettenform eingenommen werden, manche gibt es auch als Gel oder Salbe zum Einreiben.
  • Kortisoninjektionen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, spritzt die Ärzt*in stark entzündungshemmendes Kortison (manchmal auch kombiniert mit einem örtlich wirkenden Betäubungsmittel) in den Gelenkspalt. Allerdings sollte dies nicht mehr als 2 bis 3 Mal wiederholt werden, da Kortison langfristig Gewebe schädigt und deren Degeneration fördert.

Operativ

Wenn konservative Methoden die Funktion des Daumengelenks nicht stabilisieren oder die Schmerzen nicht beherrschbar sind, kommt die Handchirurgie zum Einsatz. Je nach Stadium der Rhizarthrose werden dabei verschiedene Verfahren angewendet, so zum Beispiel:

  • Arthroskopische Verfahren. In leichten Fällen reicht zur Schmerzlinderung manchmal die Glättung des aufgerauten Gelenkknorpels oder die Unterbrechung der schmerzleitenden Nervenfasern im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie).
  • Trapezektomie oder Sattelgelenksarthroplastik. Bei dieser Operation wird das Os trapezium (Vieleckbein) komplett entfernt. Diese Methode lindert die Schmerzen zuverlässig und gilt als eine der effektivsten Behandlungsmethoden der Rhizarthrose, wobei jedoch mit einem langen Heilungsverlauf (bis zu 6 Monate) gerechnet werden muss. Es gibt mehrere Varianten des Verfahrens: Je nach Operationsbefund entscheidet die Chirurg*in beispielsweise, ob der verbleibende Mittelhandknochen mit einer der umliegenden Patientensehnen stabilisiert werden muss (Trapezektomie mit Sehnenaufhängung, die sog. Resektions-Suspensions-Arthroplastik nach Epping). Manchmal wird auch ein Stück Sehne zwischen Mittelhandknochen und Handwurzelknochen gelegt, also dorthin, wo das entfernte Os trapezium gesessen hat (Trapezektomie mit Sehneninterponat).
  • Resektions-Augmentations-Transfixations-Arthroplastik (RATA). Bei diesem Verfahren wird ebenfalls das Os trapezium entfernt. Zur Stabilisierung wird keine Sehne benötigt, stattdessen spannt die Chirurg*in Daumenmittelhandknochen und Zeigefingermittelhandknochen über einen Kirschner-Draht (das ist eine Art Metallstift) zusammen. Nach 6 Wochen wird der Draht entfernt, bis dahin ist die Lücke gefüllt und stabil vernarbt. Die Ergebnisse nach erfolgreicher Operation sind recht gut, die meisten Patient*innen sind spätestens nach 6 Monaten deutlich beschwerdegebessert oder sogar schmerzfrei.
  • Einpflanzen einer künstlichen Sattelgelenksendoprothese. Wie beim Hüftgelenk lässt sich auch das Daumensattelgelenk mit einer künstlichen Prothese ersetzen. Dies ist jedoch nur bei guter Knochensubstanz des Os trapeziums möglich, zudem darf keine Arthrose im STT-Gelenk vorliegen (das wird gebildet aus Kahnbein, großem und kleinem Vieleckbein). Umstritten ist allerdings noch, ob die künstliche Prothese den anderen Verfahren überlegen ist.

Nachbehandlung

Bei allen operativen Behandlungen muss nach dem Eingriff zunächst für 3 bis 6 Wochen eine Schiene getragen werden, um das Ausheilen zu fördern. Wurde eine Prothese eingesetzt, geht es schon wenige Tage danach mit krankengymnastischen Übungen los. Bei den anderen Verfahren beginnt man damit erst nach Ablegen der Schiene.

Sport ist erst nach 8 bis 10 Wochen wieder erlaubt. Es sei denn, die Patient*in sportelt ohne Hände: Joggen ist (nach Rücksprache mit der behandelnden Ärzt*in) zum Beispiel schon nach 3 bis 6 Wochen wieder gestattet.

Prognose

In vielen Fällen lässt sich eine Rhizarthrose recht gut mit konservativen Maßnahmen behandeln. Wird eine Operation erforderlich, kann diese die Schmerzen in den allermeisten Fällen erheblich oder sogar komplett eindämmen. Unbehandelt führt die Rhizarthrose durch Gelenkversteifung meist zum kompletten Funktionsverlust des Daumens.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Daumengymnastik. Bei der Rhizarthrose ist es sehr wichtig, die Beweglichkeit des Daumens und der weiteren Finger zu erhalten. 5 Minuten täglich reichen aus, um ein Steifwerden des Gelenks zu verzögern. Machen Sie zu diesem Zweck Knetübungen mit Sand, den sie vorher (z. B. in der Mikrowelle) erwärmt haben, mit einem Küchenschwamm oder mit einem Squashball in lauwarmem Wasser, am besten zweimal täglich. Auch das wiederholte, vorsichtige Ziehen am Daumen vom Sattelgelenk weg wird bei der Rhizarthrose empfohlen.

Entlasten. Nutzen Sie für das Öffnen von Dosen und Flaschen Hilfsmittel wie elektronische Dosenöffner oder spezielle Flaschenöffner. Es gibt auch spezielle Stifthalter und Besteck für arthrosegeplagte Finger und Hände. Das Tragen schwerer Einkaufstaschen oder Aktenkoffer sollte unterbleiben, für solche Transporte sind Trolleys oder Rucksäcke besser geeignet.

Kälte. Kommt es im Rahmen eines Arthroseschubs zu akuten Schmerzen, sind statt Bewegungsübungen Kälteanwendungen angebracht, z. B. mit Kühlpacks oder kühlenden Quarkumschlägen. Sie können zur Linderung mehrmals täglich direkt auf das Daumengelenk gelegt werden.

Wärme. Wärmeanwendungen wie erwärmte Heublumensäckchen lindern die Beschwerden im chronischen Stadium.

Pflanzenheilkunde. Häufig eingesetzte standardisierte Pflanzenextrakte basieren auf Heilpflanzen, die sich v. a. durch stoffwechsel- oder durchblutungsfördernde sowie schmerzlindernde Wirkungen auszeichnen, allen voran Brennnesselblätter, Ackerschachtelhalmkraut und Löwenzahn. In vielen Fällen bietet sich eine längerfristige Anwendung an, z. B. in Form einer Teekur (z. B. Gerner® Rheumatee). Ansonsten kommen zur Linderung abnutzungsbedingter Gelenkschmerzen die gleichen Phytotherapeutika in Betracht wie zur Behandlung einer rheumatoiden Arthritis.

Enzymtherapie. Manche Patient*innen mit Neigung zu häufigen Entzündungen (aktivierte Arthrosen) haben mit der Einnahme von Enzympräparaten gute Erfahrung gemacht. Beispiele dafür sind das Ananasenzym Bromelain in hoher Dosierung einzeln (z. B. Bromelain-Pos®) oder in Kombination mit anderen Enzymen (z. B. mit dem Pankreasenzym in Wobenzym® N) in Tabletten- oder Pulverform.

Akupunktur. Dass Akupunktur Gelenkabnutzungsbeschwerden positiv beeinflusst, gilt inzwischen als gesichert. Ob mit dem Verfahren eine langfristige Besserung erreicht werden kann, wird derzeit untersucht.

Nahrungsergänzungsmittel. Der Markt bietet vielerlei Nahrungsergänzungsmittel, denen knorpelschützende bzw. die Knorpelregeneration anregende Wirkungen zugeschrieben werden. Sie werden meist in Form von Kapseln eingenommen, ihre Wirkung ist umstritten. Nach einigen Studien sollen beispielsweise Avocado-Soja-Öle, die sich durch einen besonders hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren auszeichnen, das Voranschreiten einer Arthrose (im Frühstadium) aufhalten. Lange wurden auch Grünlippmuschelextrakte empfohlen, eine Wirkung konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Wie alle Therapieansätze, die direkt auf den Gelenkknorpel selbst Einfluss nehmen (sollen), haben sie sicher keinen Effekt mehr, wenn der Knorpel bereits stark geschädigt bzw. kaum oder gar nicht mehr vorhanden ist – in diesem Fall ist die Einnahme wirkungslos.

Für andere Extrakte, etwa aus Mikroalgen, Haifischknorpel oder Perilla-Öl, steht ein wissenschaftlicher Nachweis ihrer therapeutischen Wirksamkeit bislang vollständig aus.

Schnellende Finger

Schnellende Finger (Digitus saltans, Tendovaginitis stenosans, Schnappfinger, Triggerfinger): Blockierung in einem Fingergrundgelenk, wodurch dieser Finger nur noch ruckartig gebeugt oder gestreckt werden kann. Meistens verhindern knötchenartige Verdickungen an der Beugesehne, dass diese normal gleitet. Manchmal ist auch die Einengung durch das darüber liegende Ringband die Ursache. Betroffen sind häufig Frauen mittleren Alters. Wenn konservative Therapiemaßnahmen wie Kortisoninjektionen nicht ausreichen, wird das Ringband operativ durchtrennt (Ringbandspaltung).

Symptome und Leitbeschwerden

  • Druck- und Bewegungsschmerz, oft auch tastbarer Knoten auf der Beugeseite des zugehörigen Fingergrundgelenks.
  • Beuge- und Streckhemmung eines Fingers, der sich ab einer bestimmten Stellung nur mühsam und dann mit plötzlichem Schnellen oder Schnappen weiterbewegen lässt (Taschenmesserphänomen).
  • Beschwerden vornehmlich nach längerer Ruhe, zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen.

Wann in die Arztpraxis

Bei Gelegenheit, wenn

  • die genannte Symptomatik länger bestehen bleibt.

Die Erkrankung

An der Beugeseite der Finger verlaufen die Beugesehnen durch mehrere Ringbänder. Diese führen die Sehnen und verhindern, dass sie sich bei der Fingerbeugung vom Fingerknochen entfernen. Überlastung, Entzündungen oder Verschleiß führen manchmal dazu, dass die Ringbänder anschwellen (ihre Durchlassstelle für die Sehne enger wird) und/oder gleichzeitig Auftreibungen von Beugesehnen und Sehnengleitgewebe entstehen (Sehnenscheidenentzündung). Als Folge verhakt sich die verdickte Sehne beim Beugen des zugehörigen Fingers vor dem angeschwollenen Ringband, meist im Bereich des Fingergrundgelenks. Es kommt zu einer Blockierung, die sich nur durch stärkere Anstrengung überwinden lässt. Die Sehne rutscht plötzlich durch das Ringband, der Finger schnellt oder schnappt ruckartig (klappmesserartig) in die Beugestellung. Dasselbe geschieht auf dem Rückweg bei der Streckung des Fingers.

Prinzipiell können alle Finger zum "Schnappfinger" werden. Am häufigsten ist jedoch der Daumen betroffen, weshalb hier auch oft vom schnellenden Daumen oder Schnappdaumen gesprochen wird.

Ursachen

  • Neben der Verdickung von Sehnen- und Ringbandgewebe durch Verschleiß, Überlastung oder entzündliche Prozesse kann ein schnellender Finger auch nach einer Verletzung, z. B. einem Sehnenriss, entstehen.
  • Außerdem treten schnellende Finger gehäuft auf bei
    • Rheumatoider Arthritis, Fingerarthrose oder Rhizarthrose
    • Diabetes
    • Morbus Dupuytren
    • nach operativer Versorgung eines Karpaltunnelsyndroms.

Komplikation "Gefangener Finger"

In manchen Fällen lässt sich der betroffene Finger auch mit größter Kraftanstrengung nicht mehr zurückbewegen, d. h. er bleibt – meist in Beugestellung – fixiert. Löst sich der Finger nicht in kürzerer Zeit wieder, muss rasch das Ringband gespalten werden, damit keine Funktionseinschränkungen entstehen.

Diagnosesicherung

Einen schnellenden Finger erkennt die Ärzt*in häufig schon an der Beschreibung der Beschwerden, oft lässt sich das klappmesserartige Phänomen auch recht gut "vorführen". Manchmal kann man bei der Untersuchung der Hand auch die verdickten Sehnen tasten, vor allem, wenn die Finger gebeugt oder gestreckt werden.

Um andere Veränderungen an der Hand auszuschließen, veranlasst die Ärzt*in in der Regel eine Röntgenaufnahme der Hand.

Differenzialdiagnosen. Arthrosen und Karpaltunnelsyndrom können sowohl begleitend als auch ursächlich bei einem schnellenden Finger vorkommen und müssen deshalb immer ausgeschlossen werden. Knotige Veränderungen an der Hand kommen auch bei Ganglien vor.

Behandlung

Konservativ

Im frühen Stadium der Erkrankung lassen sich die Sehnenveränderungen häufig mit konservativen Maßnahmen zum Abheilen bringen, sodass das Beugen und Strecken des Fingers wieder ohne "Schnellen" oder "Schnappen" möglich ist. Empfohlen werden

  • Schonung. Erster Behandlungsschritt ist das Vermeiden von Tätigkeiten, die den betroffenen Finger belasten. Dies kann z. B. beinhalten, die Ergonomie des Arbeitsplatzes zu verbessern (wie unter Sehnenscheidenentzündung besprochen) oder die berufliche Tätigkeit zeitweilig zu unterbrechen. Auch das vorübergehende Ruhigstellen in einer Fingerschiene ist möglich.
  • Schmerzbehandlung. Bei Schmerzen hilft die (kurzfristige) Einnahme von NSAR wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ), alternativ auch Kälteanwendungen, z. B. mit Eisbeutel oder Kühlpacks.
  • Handbäder. Dazu legt man die Hand für 5 bis 10 Minuten in warmes Wasser und macht darin sanfte, entspannende Handbewegungen. Dabei reicht es schon aus, das Wasser einfach hin und her zu bewegen. Das Handbad sollte mehrere Male wiederholt werden.
  • Kortisonspritzen. Führen die oben genannten Maßnahmen zu keinem Erfolg, kann Kortison die Erkrankung günstig beeinflussen. Dazu wird der Finger zunächst lokal betäubt und danach z. B. Betamethason in das Ringband gespritzt. Das Kortison dämmt die Entzündung ein. Meist lässt sich eine Besserung der Fingerbeweglichkeit nach etwa 2 bis 5 Tagen feststellen. Bleibt der Erfolg aus, kann mehrere Wochen später eine zweite Kortisoninjektion erfolgen. Von weiteren Injektionen wird abgeraten, da Kortison langfristig das Gewebe schädigt.

Operativ

Wenn die konservativen Behandlungsversuche erfolglos bleiben, ist der Gang zur Handchirurg*in angesagt. Die nötige Operation wird in örtlicher Betäubung und ambulant durchgeführt, d. h. die Patient*innen können danach mit einbandagiertem Finger wieder nach Hause gehen. Nachdem die Ärzt*in über einen kleinen 1 bis 2 cm großen Hautschnitt an der Handinnenseite das Ringband freigelegt hat, spaltet sie dieses und gegebenenfalls auch das darunterliegende Sehnengleitgewebe. Nach dem Eingriff lässt sich die Beugesehne sofort wieder frei bewegen. Zum Schutz der Naht und für eine bessere Abheilung wird der Finger allerdings bis zur Entfernung der Fäden nach zirka einer Woche erst einmal ruhiggestellt. 2 bis 3 Wochen später ist die Hand normal belastbar, in der Regel sind die Betroffenen von den Beschwerden komplett befreit.

Behandlungskomplikationen

Die Operation des schnellenden Fingers ist ein vergleichsweise harmloser Eingriff. Komplikationen sind selten, aber möglich. Dazu gehören

  • Infektionen von Sehne, Knorpel oder Knochen über die Operationswunde
  • überschießende Narbenbildung
  • Verletzung von Hautgefäßen oder -nerven, in der Folge Durchblutungsstörungen oder Missempfindungen des entsprechenden Fingers
  • "Heilung" des Ringbandes mit erneuten Beschwerden.

Prognose

Die konservative Therapie inklusive der Kortisoninjektionen hat eine Erfolgsrate von etwa 85 %. Muss der Finger operiert werden, lassen sich Kraft und Beweglichkeit des Fingers wieder dauerhaft herstellen.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Fingerschiene. Wenn Ihnen eine Fingerschiene verschrieben wurde, tragen Sie diese auch über Nacht. Gerade im Schlaf neigen viele Menschen dazu, Fäuste zu machen und ihre Finger zu beugen, was die Erkrankung verschlimmern kann.

Vibrieren vermeiden. Starke Vibrationen können das Schnellen auslösen, weshalb man als Betroffene das Führen von vibrierenden Geräten wie z. B. Presslufthämmern vermeiden sollte.

Sanftes Dehnen. Je nach Ausmaß und Stadium der Erkrankung können sanfte Massagen und sanftes (!) Dehnen hilfreich sein. Damit Sie dabei nichts falsch machen, ist es ratsam, dass Sie sich von Ihrer Ärzt*in oder einer Physiotherapeut*in anleiten lassen.

Weiterführende Informationen

  • lowka-haende.de – Informative Internetseite einer handchirurgischen Praxis aus Freiburg: Mit Diagnostik und Therapiemöglichkeiten schnellender Finger.

Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk

Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): häufige, akute oder chronische Entzündung von Sehnen und zugehörigem Sehnengleitgewebe. Die Betroffenen leiden vor allem unter schmerzhaften Bewegungseinschränkungen. Mit konservativer Therapie, also Schonung, Ruhigstellung und Schmerzmitteln lässt sich eine akute Sehnenscheidenentzündung gut behandeln; chronische Formen sind schwerer zu behandeln, ggf. hilft hier eine Operation.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Ziehende oder stechende Schmerzen bei Unterarm- und Handbewegungen
  • Tastbares schmerzhaftes Knirschen und Reiben der betroffenen Sehne
  • In ausgeprägten Fällen auch Ruheschmerz, wenig Besserung nach Ruhigstellung über Nacht
  • Oft Rötung und Schwellung über den betroffenen Sehnen
  • Bei der chronischen Form oft knotige Verdickungen der betroffenen Sehne, eventuell mit Phänomen des schnellenden Fingers.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn

  • sich die oben beschriebenen Symptome nicht von selbst bessern.

Die Erkrankung

Ursachen, Risikofaktoren und Auslöser

An keinem anderen Ort des Körpers kommen Sehnenscheidenentzündungen so häufig vor wie an Unterarm und Handgelenk. Dort kommt es besonders häufig zu jahre- und jahrzehntelang wiederkehrenden Über- und Fehlbelastungen, z. B. durch monotone Bewegungen, falsche Sporttechnik oder unzureichende Ergonomie am Arbeitsplatz. Entsteht die Erkrankung durch Arbeiten mit der Computermaus, spricht der Arzt von einem Mausarm. Für einige Berufe gilt der Mausarm als Berufskrankheit.

Risikofaktoren und Auslöser von Sehnenscheidenentzündungen sind:

  • Intensive Arbeit am Computer, insbesondere an zu hohen oder niedrigen Computertischen oder mit ergonomisch schlechten Mäusen
  • Andere berufliche Überlastungen, z. B. bei Krankengymnasten und Monteuren
  • Sportliche Aktivitäten, z. B. Hantelübungen, Bodenturnen, Klettern, Radfahren, Badminton und Tischtennis
  • Intensives Üben mit Musikinstrumenten wie Gitarre, Schlagzeug, Geige und Klavier
  • Selten entzündlich-rheumatische Krankheitsprozesse oder eine Verletzung der Sehnenscheide.

Klinik

Unzureichend behandelt geht die akute Sehnenscheidenentzündung in eine schwelende, chronische Krankheitsphase über, die sich oft über viele Monate hinzieht. Der Krankheitsprozess verstärkt sich dabei selbst.

Die Entzündung führt zum oft äußerlich sichtbaren Anschwellen der Sehnenscheide und zu Aufrauungen und kleinen Verletzungen der inneren Sehnenscheidenwand, die daraufhin entzündliche Sekrete absondert. Die zugehörige Sehne gleitet nicht mehr ungehindert, sondern reibt sich bei jeder Bewegung mit fühlbarem schmerzhaften Knarren an dem entzündeten Gewebe.

Nach neueren Forschungsergebnissen sind an chronischen Verläufen manchmal auch Bakterien wie Chlamydien, Mykoplasmen oder verschiedene Durchfallerreger beteiligt. Im Gefolge eines Darm- oder Atemweginfekts führen sie zu einer Immunreaktion, die sich dann als akute Sehnenscheidenentzündung oder als Verschlimmerung einer schon bestehenden Sehnenscheidenentzündung bemerkbar macht.

Sonderformen

Zu den speziellen Formen der Sehnenscheidenentzündung zählen:

  • Die Tendovaginitis stenosans de Quervain – eine chronische Entzündung des Sehnengleitgewebes des Musculus abductor pollicis longus und des Musculus extensor pollicis brevis im Strecksehnenfach des Daumens. Sowohl Überbeanspruchung als auch die rheumatoide Arthritis spielen als Ursache eine Rolle. Es entstehen Vernarbungen, welche die Sehnenscheide verengen und die Gleitfähigkeit der Sehne vermindern. Die Therapie umfasst:
    • Im Anfangsstadium Ruhigstellung für mindestens 14 Tage, entzündungshemmende Medikamente (NSAR) sowie, wenn dies nicht ausreicht, die Infiltration der Sehnenscheide mit Kortison
    • Im fortgeschrittenen Stadium die operative Spaltung des Strecksehnenfaches des Daumens
  • Die Tendovaginitis stenosans der Beugesehnen (näheres siehe schnellende Finger).

Diagnosesicherung

Der Arzt stellt die Diagnose aufgrund der typischen Beschwerden und des klinischen Befundes, z. B. der heftigen Schmerzreaktion bei Druck auf die betroffene Stelle oder bei Überstreckung der Hand.

Technische Untersuchungen wie Röntgen- oder Ultraschall-Untersuchungen werden angefertigt, wenn es gilt, andere Erkrankungen wie ein Nervenkompressionssyndrom oder eine Arthrose (z. B. im Daumengrundgelenk) auszuschließen.

Behandlung

Akute Sehnenscheidenentzündung. Kurzzeitige Kühlung des entzündeten Areals sowie eine mehrwöchige Ruhigstellung (Schiene, evtl. sogar Gips) des Gelenks dämpfen den akuten Schmerz.

  • Schmerzmittel lindern die Beschwerden und hemmen die Entzündung. NSAR wie Diclofenac, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen gibt es als Tabletten, aber auch in Salben- oder Gelform. Die lokale Anwendung ist nebenwirkungsärmer, wobei auch die Wirkung geringer ist als bei Einnahme des Wirkstoffs in Tablettenform. Nach dem Auftragen von NSAR-haltigen Schmerzgelen kann es in Einzelfällen zu Hautreaktionen wie Rötung und Juckreiz kommen. Diese verschwinden aber wieder nach Beenden oder Absetzen der Behandlung.
  • Um anschließend keinen Rückfall zu provozieren, ist es entscheidend, die ursächliche Belastung entweder auf Dauer zu vermeiden oder nur schrittweise über einen Zeitraum von 3–4 Wochen wieder aufzubauen.
  • Besteht eine berufliche Belastung, ist eine Ergotherapie anzuraten.

Chronische Sehnenscheidenentzündung. Sind die Beschwerden permanent geworden, ist rasche und effektive Hilfe nicht zu erwarten. Hier ein Überblick über die Möglichkeiten:

  • Wärme hilft meist besser als Kälte.
  • Statt aktiver Übungen geben spezielle Massagen mehr Linderung.
  • Schmerzmittel helfen, besonders schmerzhafte Tage und Zeiten zu überbrücken (Details siehe oben), außerhalb dieser Perioden sollte man auf Schmerzmittel aber möglichst verzichten.
  • Schienen, Dehn- und andere physiotherapeutische Übungen sind sinnvoll (Details siehe oben).
  • Bei dauerhaft starken Schmerzen hilft oft eine (einmalige) Injektion von Kortisonpräparaten in den Bereich der Sehnenscheide. Sie bringt in jedem Fall kurzfristige Linderung, ob diese auch längerfristig besteht, ist nicht erwiesen.
  • Umstritten ist auch die Wirksamkeit von Extrakorporaler Stoßwellentherapie (ESWT), Iontophorese und Querfriktionen. Sie sind ggf. aber einen Versuch wert.

In schweren Fällen lässt sich eine chronische Sehnenscheidenentzündung auch operativ behandeln. Dabei spaltet der Orthopäde oder Handchirurg die verengte Stelle der Sehnenscheide und schafft damit Entlastung. Auch können die Nervenbahnen der Sehnenscheide gekappt werden.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Beseitigen Sie die Ursachen der Erkrankung. Konzentrieren Sie sich weniger darauf, momentane Schmerzen zu beseitigen, als darauf, Rückfälle zu verhindern. Letzteres ist schwierig, erfordert Ideen, Geduld zum Ausprobieren von Strategien und sorgfältige Selbstbeobachtung. Aber dieser Weg lohnt sich!

Eine Beschwerdelinderung lässt sich bei der PC-Arbeit z. B. durch ergonomische Tastaturen, durch ein Auflagepolster vor der Tastatur, eine größere oder vertikal funktionierende PC-Maus, einen Touchscreen oder durch einen Wechsel der "Maushand" erreichen. Bei Musikern und Sportlern helfen bessere Techniken, lockeres Warmspielen und längere Aufwärmübungen der Hände vor dem eigentlichen Spiel. Gezielte Übungen zur Stärkung der Arm- und Rückenmuskulatur tragen ebenfalls dazu bei, ein Wiederauftreten der Beschwerden zu verhindern.

Was im Einzelfall angebracht ist, sollten Sie mit dem Physiotherapeuten oder dem Orthopäden gründlich diskutieren und im Zweifelsfall einfach mal für ein paar Wochen ausprobieren.

  • Lassen Sie sich Physiotherapie verschreiben, um durch Dehnungsübungen (z. B. Fingerstretching oder Querfriktionsübungen) die Verklebungen der entzündeten Strukturen zu verhindern und die zukünftige Belastung der Sehnenscheiden so weit wie möglich zu minimieren.
  • Es empfiehlt sich auch, auf die Schlafstellung der betroffenen Hand zu achten – eine ungünstige Stellung in starker Beugehaltung macht manchmal eine Erholung der Sehnenscheiden unmöglich. Eine gute Hilfe ist eine Handgelenks-, Daumen- oder Fingerorthese, die vor allem nachts angelegt wird (tagsüber kann man sie auch anlegen, da stört sie aber oft sehr). Weil gute Orthesen nicht ganz billig sind, besorgen Sie sich dafür ein Rezept bei Ihrem Hausarzt oder Orthopäden.
  • Nicht zuletzt bestehen oft gleichzeitig Verspannungen und Schmerz im Schulter- und Nackenbereich. Dagegen hilft, die Körperhaltung zu verbessern, einen dynamischen Bürostuhl zu nutzen und sich generell mehr zu bewegen – erstaunlicherweise bessert sich dabei zugleich auch die Sehnenscheidenproblematik.

Komplementärmedizin

Phytotherapie. Bei starken Schmerzzuständen von Sehnen-, Bändern- und Muskelansätzen soll die Einnahme von Johanniskraut helfen. Weitere häufig eingesetzte Phytopharmaka sind Präparate mit Arnika oder Kombinationspräparate aus ätherischen Ölen wie Bergamotte-, Lavendel-, Orangen- und Zitronenöl zum Einreiben. Ihre Wirkung ist jedoch meist schwächer als die der NSAR.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt u. a. Acidum fluoricum oder Bryonia zur Linderung der Beschwerden.

Skidaumen

Skidaumen (Bandverletzung am Daumengrundgelenk, ulnare Kollateralbandruptur): Schwellung, Schmerzen und Bewegungseinschränkung am Daumen durch Riss oder Teilriss des innen liegenden Seitenbandes am Daumengrundgelenk. Ursache sind meist Sportunfälle mit gewaltsamem Abspreizen des Daumens von der Hand weg, zum Beispiel durch Hängenbleiben in der Handschlaufe des Skistocks bei einem Sturz. Teilrisse werden konservativ durch Ruhigstellung mit Unterarmgips oder Daumenschiene behandelt, komplette Risse oder Begleitverletzungen erfordern eine Operation. Bei fachgerechter Versorgung ist die Prognose gut. Wird der Skidaumen nicht oder erst sehr verspätet behandelt, drohen bleibende Daumeninstabilität und Arthrose.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzhafte Schwellung des Daumens
  • Druckschmerz im Bereich des Daumengrundgelenks
  • Instabilität des Daumens bei Greifbewegungen.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn

  • Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung im Bereich des Daumens nicht rasch wieder abnehmen.

Die Erkrankung

Beim Skidaumen ist das an der Innenseite (zur Hand hin liegende) Seitenband des Daumens betroffen. Anatomisch wird es als ulnares Kollateralband bezeichnet. Seine Aufgabe ist, den Daumen in seinem Grundgelenk zu stabilisieren. Reißt das Band, wird der Daumen instabil und klappt zum Beispiel beim Greifen oder Schreiben an seiner Basis weg. Betroffene haben dann Schwierigkeit beim Greifen.

Ursachen und Risikofaktoren

Das Daumenseitenband reißt vor allem beim Sport. Typische Unfallursachen sind Stürze beim Skilaufen , aber auch andere Sportarten wie Turnen, zum Beispiel durch ein Abrutschen auf dem Barren. Genauso sind Kampfsport oder Ballsport riskant für den Daumen.

Komplikationen

Je nach Schwere der Verletzung kann es dazu kommen, dass mit dem Band auch ein Stück Knochen abreißt oder der Daumen aus dem Grundgelenk ausgekugelt wird. Eine weitere Komplikation ist die Stener-Läsion. Hier schlägt nach komplettem Seitenbandriss der körpernahe Anteil des Bandes um und wird von der Sehnenplatte des Daumenheranziehers (Musculus adductor pollicis) eingeklemmt. Da sich die beiden Bandenden nicht mehr nähern können, müssen die beiden Bandenden in einer Operation miteinander verbunden werden.

Diagnosesicherung

Nach Befragung der Patient*in zu Unfallmechanismus, Schmerzen und Bewegungseinschränkung wird der verletzte Daumen vorsichtig abgetastet und bewegt. Zum Nachweis einer Gelenkinstabilität versucht die Ärzt*in, den Daumen seitlich aufzuklappen und die benachbarten Knochen gegeneinander zu verschieben. Um begleitende Verletzungen von Gefäßen und Nerven nicht zu übersehen, müssen auch Durchblutung und Sensibilität von Hand und Fingern kontrolliert werden.

Röntgenaufnahmen des Daumens dienen dazu, einen Knochenbruch sicher auszuschließen und einen eventuellen knöchernen Kapsel- oder Bandausriss festzustellen – die Bänder selbst sind im Röntgenbild nicht zu erkennen. Im Zweifel lässt sich eine Bandverletzung aber mit einer MRT-Aufnahme nachweisen. Geübte Ärzt*innen können das auch bei einer Ultraschalluntersuchung des Daumens erkennen.

Differenzialdiagnosen. Akut auftretende Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Daumen werden auch verursacht durch eine Zerrung des Daumenseitenbands, einen Bruch des Daumens (Mittelhandbruch) oder einen Kahnbeinbruch.

Behandlung

Gegen Schmerzen und Schwellung helfen akut die Sofortmaßnahmen nach der PECH-Regel:

  • Pause: Hand sofort ruhigstellen und schonen.
  • Kühlen (Eis): Daumengelenk 15 bis 20 Minuten lang kühlen. Dabei dürfen Eiswürfel und Coolpacks nicht direkt, sondern nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut kommen, um Kälteschäden zu verhindern.
  • Kompression (compression): Ein Kompressionsverband vermindert die Schwellung. Achtung, nicht zu stramm anlegen, damit Blutzu- und abfuhr gewährleistet bleiben!
  • Hochlagern: Das Hochlagern von Hand und Arm verhindert eine zu starke Durchblutung des Daumens und wirkt ebenfalls dem Anschwellen entgegen.

Bei starken Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ). Achtung: Aspirin (Acetylsalicylsäure) wirkt blutverdünnend und darf deshalb zur Schmerzbehandlung nicht verwendet werden.

Konservativ

Eine konservative Behandlung ist bei Teilrissen des Bandes möglich. Als Zeichen dafür gilt eine geringe Aufklappbarkeit des Gelenks von < 35°. Dazu wird der Daumen in einem Unterarmdaumengips, einer Daumenschiene oder einem Tapeverband für 3 Wochen ruhiggestellt. Danach beginnt die vorsichtige Mobilisation. Nach etwa 12 Wochen ist der Daumen meist wieder voll belastbar.

Operativ

Bei einem kompletten Riss des Seitenbandes, einer Aufklappbarkeit von > 35° oder knöchernen Bandausrissen empfehlen die meisten Hand- oder Unfallchirug*innen die Operation. Immer operiert wird auch die Stener-Läsion, weil hier die Bandenden nicht mehr ohne Hilfe zusammenwachsen können (siehe oben).

Je nach Verletzung werden die Bandenden in einer offenen Operation durch Nähte oder spezielle Drähte verbunden und eventuell ausgerissene Knochenstücke mit Draht oder kleinen Schrauben befestigt. Danach muss der Daumen für etwa sechs Wochen ruhiggestellt werden. Im Anschluss beginnen die Übungen zur Mobilisierung. Belastbar ist der Daumen etwa 3 bis 4 Monate nach der Operation.

Hat sich nach lange zurückliegender Verletzung eine chronische Instabilität entwickelt, muss das Band meist durch eine Bandplastik ersetzt werden. Dazu lässt sich z. B. die Sehne des langen Hohlhandmuskels (Musculus palmaris longus) verwenden.

Prognose

Bei frühzeitiger fachgerechter Behandlung heilt der Skidaumen meist folgenlos aus. Wird der Daumen nicht behandelt oder bleiben Instabilitäten zurück, drohen verfrühte Verschleißerscheinungen und Daumengelenksarthrose.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Im Zweifel in die Arztpraxis. Nehmen Sie eine Verletzung des Daumens nicht auf die leichte Schulter. Werden die Beschwerden nach einem Sturz auf den Daumen nicht schnell deutlich besser, lassen Sie die Verletzung besser in einer Arztpraxis abklären. Je früher ein Skidaumen behandelt wird, desto seltener kommt es später zu Instabilitäten des Daumens.

Daumengymnastik im Wasserbad. Nach der Ruhigstellung lässt sich der Daumen besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5 Mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser. Welche Bewegungen in welchem Ausmaß erlaubt sind, ist mit der behandelnden Ärzt*in abzuklären.

Einfetten der Operationsnarbe. Harte, feste Operationsnarben können vor allem im Bereich der Hand sehr stören. Cremen Sie die Narbenhaut mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme ein, um sie geschmeidig zu halten.

Physiotherapie. Im Allgemeinen reicht die normale, schonende und schrittweise ansteigende Belastung des Daumens im Alltag als Training aus. Bleibt die Entwicklung der Beweglichkeit des Daumens jedoch hinter den durchschnittlichen Erfahrungswerten zurück, kann professionelle Physiotherapie helfen.

Nicht in den Schmerz hinein üben! Ob im Alltag oder bei der Krankengymnastik: Wenn beim Beüben des Daumens Schmerzen oder Schwellungen auftauchen, ist die Übungsbehandlung zu intensiv und schadet der Ausheilung des Daumens.

Prävention

Daumenbandage. Nach einer Daumenverletzung ist manchmal das Tragen einer Daumenbandage hilfreich, z. B. bei starker Belastung. Auch Sportler*innen wie z. B. Volleyballer*innen und Turner*innen schützen ihre Daumen mit Daumenbandagen oder Tapes vor Verletzungen.

Strecksehnenverletzung am Finger

Strecksehnenverletzung an den Fingern (Strecksehnen-Riss, Strecksehnen-Abriss): Riss oder Durchtrennung einer Fingerstrecksehne. Am häufigsten reißt die Sehne durch plötzliche Überdehnung bei einem Anprall (z. B. an einem Ball beim Ballsport oder am Bettrahmen beim Bettenmachen), seltener wird sie im Rahmen von Schnitt- oder Sägeverletzungen durchtrennt. In der Folge ist das betroffene Fingerglied gebeugt oder hängt herab und lässt sich nicht mehr aktiv strecken. Strecksehnenabrisse (vor allem am Fingerendglied) heilen gut durch das Anlegen einer Schiene für 8 Wochen. Ein geringes Streckdefizit bleibt jedoch oft zurück. In manchen Fällen ist eine Operation empfehlenswert, z. B. bei Begleitverletzungen, Abrissen der Sehne am Fingergrundgelenk oder bei Menschen, die auf eine reibungslose Mechanik ihrer Finger zwingend angewiesen sind (Musiker, Leistungssportler, Handwerker).

Symptome und Leitbeschwerden

  • Plötzlicher starker, stechender Schmerz, der oft relativ schnell wieder abklingt
  • Abgeknickte Fingerspitze bei Riss der Strecksehne am Fingerendglied (sog. Hammer-Finger)
  • Beugung im Fingermittelgelenk, Streckung im Fingerendgelenk bei Riss der Sehne am Fingermittelglied (sog. Knopflochdeformität)
  • Hängender Finger, keine aktive Streckung des verletzten Fingers möglich bei Riss der Sehne im Fingergrundgelenk (passive Streckung z. B. mit der anderen Hand weitgehend möglich).

Wann in die Arztpraxis

Sofort, wenn

  • eine klaffende (Schnitt-)Verletzung an Hand oder Fingern mit Bewegungseinschränkung vorliegt.

Am gleichen Tag, wenn

  • oben genannte Bewegungseinschränkungen des Fingers auffallen.

Die Erkrankung

Die Strecksehnen der Finger verlaufen auf der Rückseite der Hand und Finger bis zum jeweiligen Fingerendglied. Sie können überall reißen, am häufigsten passiert dies jedoch an ihren Ansatzpunkten, d. h. an den Fingergelenken.

Typische Unfallursache – vor allem am Fingerendgelenk – ist der heftige Anprall eines Balls auf die Fingerspitzen beim Ballsport. Auch unkontrollierte Abfangbewegungen bei Stürzen können zu einem Abriss von Strecksehnen führen. Die Sehnen von Fingermittel- und Fingergrundgelenken sind wiederum durch Kampfsportarten (vor allem Boxen) von Überdehnung und Riss bedroht. Bei Sehnen, die durch Verschleiß vorgeschädigt sind, reichen für einen Riss manchmal schon heftige Fingerbewegungen, beispielsweise das Einstopfen des Betttuchs zwischen Matratze und Bettrahmen.

Weil die Strecksehnen relativ ungeschützt auf der Rückseite der Finger liegen, werden sie bei Schnitt- und Sägeverletzungen häufig mit durchtrennt.

Klinik

Ein herabhängender Finger und die unmögliche aktive Streckung sind typisch für eine Strecksehnenverletzung. Manchmal sind die Beschwerden jedoch nur gering ausgeprägt und werden erst sehr spät bemerkt. Besonders häufig geschieht dies bei Sehnenverletzungen über dem Fingermittelgelenk, die sich durch eine zunehmende Knopflochdeformität auszeichnen. Hier verharrt das Mittelgelenk bei gewollter Fingerstreckung in Beugung, während das Endgelenk gestreckt wird, was optisch an einen Knopf im Knopfloch erinnert Wird der Gang in die Arztpraxis lange hinausgezögert, ist eine konservative Behandlung meist nicht mehr möglich.

Komplikationen

Häufig kommt es bei Sehnenverletzungen zu einem Ausriss von kleinen Knochenstücken (knöcherner Sehnenausriss) und/oder einer begleitenden Kapselverletzung.

Diagnosesicherung

Die Schilderung des Unfallhergangs in Kombination mit den Beschwerden weist deutlich auf eine Strecksehnenverletzung hin. Bei der Funktionsprüfung des betroffenen Fingers muss darauf geachtet werden, dass immer nur ein Gelenk geprüft und der restliche Finger fixiert wird. Liegt eine offene Wunde vor, wird diese genauestens inspiziert. Eventuell sind dabei Schäden von Nerven und Gefäßen sichtbar.

Weitere Untersuchungen dienen vor allem dem Ausschluss von Begleitverletzungen. Zum Nachweis einer möglichen Gelenkinstabilität bei Kapsel- und Bänderrissen versucht die Ärzt*in, das betroffene Fingergelenk seitlich aufzuklappen und die benachbarten Knochen gegeneinander zu verschieben. Außerdem wird geprüft, ob eine Stauchung des betroffenen Fingers in seiner Längsachse die Schmerzen verstärkt, was eher für einen Knochenbruch als für eine ausschließliche Weichteilverletzung spricht. Ob Gefäße und Nerven intakt sind, zeigen Durchblutung und Sensibilität des Fingers. Röntgenaufnahmen des verletzten Fingergelenks ermöglichen es, einen Knochenbruch sicher auszuschließen und einen eventuellen knöchernen Kapsel- oder Bandausriss festzustellen.

Behandlung

Konservativ

Sehnenrisse am Fingerendglied heilen üblicherweise gut unter alleiniger konservativer Therapie. Dazu wird der Finger 6 bis 8 Wochen lang in einer Schiene ruhiggestellt. Zum Einsatz kommt dabei meist die Stack`sche Schiene, eine Art verlängerter Fingerhut mit kleinem Fenster im Fingernagelbereich. Alternative ist das Anpassen einer Kunststoffschiene aus verformbarem Material (auf Rezept). Auf jeden Fall sitzt die Schiene so, dass zwar das Fingerendglied ruhiggestellt ist, der Rest des Fingers jedoch bewegt werden kann und dadurch sein Einsteifen verhindert wird.

Nach Abnahme der Schiene darf die Patient*in mit vorsichtigen Bewegungsübungen beginnen. Zum Schutz der Sehne soll die Schiene noch zwei weitere Wochen nachts getragen werden. Bis zur vollständigen Ausheilung dauert es insgesamt etwa 12 Wochen.

Etwa 90 % der am Fingerendglied abgerissenen Strecksehnen wachsen durch die Schienentherapie wieder an. Aber nur den wenigsten Patient*innen gelingt es danach wieder, das Fingerendglied komplett zu strecken. Ein Streckdefizit von 10 bis 15° wird deshalb als gutes Ergebnis angesehen. Bleibt der Finger jedoch in einer Beugestellung von mehr als 30°, empfehlen Orthopäd*innen eine operative Korrektur.

Operativ

Strecksehnenrisse im Bereich von Fingermittel- oder grundgelenken werden meist operativ versorgt. Dazu näht man in einer offenen Operation die Sehnenenden wieder aneinander. Manchmal muss auch eine Nachbarsehne die Aufgabe der gerissenen Sehne übernehmen oder Sehnengewebe verpflanzt werden. Größere knöcherne Sehnenausrisse erfordern eine Wiederbefestigung mit Drahtnähten oder kleinen Schrauben. Nach der Operation wird der Finger in einer Schiene für etwa 6 Wochen ruhiggestellt, danach beginnt die vorsichtige Mobilisierung. Die vollständige Belastbarkeit ist nach etwa 12 Wochen erreicht.

Prognose

Durch Ruhigstellen und Schonen heilen 90 % der Strecksehnenabrisse am Fingerendglied, häufig bleibt jedoch eine Streckdefizit zurück. Die Prognose nach operativer Versorgung ist meist gut, sie hängt von Art und Ausmaß der Verletzung ab. Unbehandelte Sehnenverletzungen führen zu Fehlstellung der Knochen und Gelenke. Es drohen dauerhafte Bewegungseinschränkungen und langfristig die Entwicklung einer Arthrose.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Vorsicht bei der Schienen-Reinigung. Fingerschienen müssen permanent am Finger verbleiben, damit die Sehnenenden wieder zusammenwachsen. Einmal wöchentlich darf die Schiene zur Reinigung kurz abgenommen werden. Dabei muss allerdings aufgepasst werden, dass das verletzte Fingerendgelenk weiter gestreckt bleibt. Knickt es versehentlich ab, beginnt die Schienentherapie von vorne.

Fingergymnastik im Wasserbad. Nach der Schienen-Therapie lässt sich der Finger besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5-mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser. Welche Bewegungen in welchem Ausmaß erlaubt sind, ist mit der behandelnden Ärzt*in abzuklären.

Einfetten der Operationsnarbe. Harte, feste Operationsnarben können auch auf der Fingerrückseite sehr stören. Cremen Sie die Narbenhaut mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme ein, um sie geschmeidig zu halten.

Nicht in den Schmerz hinein üben. Ob im Alltag oder bei der Krankengymnastik: Wenn beim Beüben der Finger Schmerzen oder Schwellungen auftauchen, ist die Übungsbehandlung zu intensiv und schadet der Ausheilung.

Prävention

Schnitthandschuhe tragen. Bei manchen Tätigkeiten im Garten oder beim Handwerken können Schnitthandschuhe mit Metallschutz gute Dienste leisten.

Finger tapen. Vor allem bei Volleyball, Basketball, Handball oder auch beim Rugby versuchen die Spieler, ihre Finger durch prophylaktisches Tapen zu stabilisieren und damit vor Verletzungen zu schützen.

Tendovaginitis de Quervain

Tendovaginitis de Quervain (Sehnenengpasssyndrom, Tendovaginitis stenosans de Quervain): Sehnenscheidenentzündung am Daumen mit belastungsabhängigen Schmerzen, die über das Handgelenk bis in den Unterarm ausstrahlen können. Die Erkrankung tritt im mittleren Lebensalter auf, Frauen sind 8 Mal so häufig betroffen wie Männer. Wenn konservative Therapiemaßnahmen wie Kortisoninjektionen nicht ausreichen, wird operiert: Nach der Erweiterung des Sehnenfachs, indem die betroffenen Sehnen verlaufen, verschwinden die Schmerzen meist innerhalb weniger Tage bis Wochen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Starke einschießende, auch als elektrisierend beschriebene Schmerzen bei Bewegungen des Daumens, vor allem beim Greifen
  • Ausstrahlen der Schmerzen in Handgelenk und Unterarm möglich
  • Schwellungen im Daumenbereich
  • Manchmal knarrende Geräusche bei Bewegungen des Handgelenks.

Wann zum Arzt

Bei Gelegenheit, wenn

  • die genannte Symptomatik länger bestehen bleibt.

Die Erkrankung

Wie bei allen Fingern sind auch die Sehnen der Daumenmuskulatur von flüssigkeitsgefüllten Hüllen, den Sehnenscheiden, umgeben. Sie schützen die Sehne und verringern die Reibung, wenn die Sehne bei einer Bewegung mit großer Spannung über ein Gelenk läuft.

Bei der Tendovaginitis de Quervain sind die Strecksehnen des Daumens betroffen, genauer gesagt, die Sehne des kurzen Daumenstreckers (Musculus extensor pollicis brevis) und die des langen Daumenspreizers (Musculus abductor pollicis longus). Beide Sehnen verlaufen gemeinsam im ersten Sehnenfach an der Oberseite des Handgelenks. Werden sie gereizt, kommt es zu einer Sehnenscheidenentzündung, die sich mit Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkung bemerkbar macht.

Ursachen für eine solche Sehnenreizung sind Überbeanspruchung der Hände, z. B. beim Sport (Klettern), Handwerkern oder Musizieren (vor allem Klavierspielen). Daneben spielen Verschleißerscheinungen, hormonelle Einflüsse und womöglich die Rheumatoide Arthritis für die Entwicklung einer Tendovaginitis eine Rolle.

Diagnosesicherung

Schwellung und Schmerzen am Daumen sowie die Schilderung der Patient*in sind Hinweise auf eine Tendovaginitis de Quervain. Bei der Untersuchung der Hand lässt sich über den betroffenen Sehnen ein deutlicher Druckschmerz auslösen. Typisch für die Erkrankung ist zudem das (modifizierte) Finkelstein-Zeichen: Dabei wird der betroffene Daumen in die hohle Hand gelegt und darüber die Finger zu einer Faust verschlossen. Führt man nun die Hand in Richtung Elle, kommt es zu starken Schmerzen im Bereich des ersten Sehnenfachs.

Im Ultraschallbild lassen sich die verdickten Sehnen recht gut nachweisen. Zum Ausschluss einer Arthrose als Auslöser der Beschwerden ist das Röntgenbild hilfreich.

Differenzialdiagnosen. Sehr ähnliche Beschwerden verursachen vor allem die Rhizarthrose und die Handgelenksarthrose.

Behandlung

Konservativ

Ruhigstellen. Erster Behandlungsschritt ist das Vermeiden von Tätigkeiten, die den betroffenen Finger belasten und Schmerzen auslösen. Häufig verordnet die Ärzt*in zur Ruhigstellung zusätzlich eine Schiene oder einen festen Tapeverband, manchmal wird auch für 14 Tage ein Gips angelegt.

Schmerzen und Entzündung behandeln. Meist werden entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) zum Einnehmen verordnet. Manchen Patient*innen helfen diese Wirkstoffe auch, wenn sie als Salbe oder Gel auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Auch das Kühlen, z. B. mit Coolpacks, verschafft Linderung.

Kortisoninjektionen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, spritzt die Ärzt*in Kortison (eventuell kombiniert mit einem lokalen Betäubungsmittel) in das Strecksehnenfach. Kortison dämmt die Entzündung ein und fördert dadurch die Abheilung. Allerdings sollte es nicht allzu oft wiederholt werden, da Kortison langfristig das Gewebe schädigt und dessen Degeneration fördert.

Operativ

Helfen die konservativen Maßnahmen nicht, wird der Daumen operiert. Unter örtlicher Betäubung spaltet die Handchirurg*in das Strecksehnenfach und entfernt die seitlichen Begrenzungen, um den dort verlaufenden Sehnen mehr Platz zu verschaffen. Außerdem wird entzündlich verändertes Gewebe entfernt und Verklebungen gelöst. Bei erfolgreicher Operation gleiten die beiden Sehnen dann wieder problemlos im Strecksehnenfach. Spätestens nach 8 Wochen sollten die Beschwerden durch die Tendovaginitis verschwunden sein.

Komplikationen

Wie bei allen Eingriffen kann es zu Wundinfektionen oder zu einer Verletzung von Nerven oder Gefäßen kommen. Eine gefürchtete Komplikation bei Operationen an Hand und Arm ist die Sudeck-Erkrankung, auch das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) genannt.

Nachbehandlung

Nach etwa 2 Wochen werden die Fäden gezogen. Ab jetzt sind leichte krankengymnastische Übungen hilfreich. Am Anfang werden die Übungen gerne im kalten Wasser durchgeführt, denn dieses wirkt dabei schmerzlindernd und abschwellend.

Prognose

Muss operiert werden, sind die Schmerzen in Daumen und Handgelenk in der Regel spätestens 8 Wochen nach dem Eingriff verschwunden. Bis die in den Unterarm ausstrahlenden Schmerzen vergehen, dauert es meist etwas länger.

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Was Sie selbst tun können

Narbe behandeln. Sind Sie operiert worden, beginnen Sie ab dem 5. Tag nach dem Eingriff damit, die Narbe mit fettreichen Cremes einzureiben. Dadurch wird die Narbe weicher, besser beweglich und letztendlich belastbarer.

Fehlbelastungen vermeiden. Insgesamt gilt es, eine erneute übermäßige einseitige Belastung des Daumens zu vermeiden. Beim Sport lässt sich das manchmal durch eine Korrektur der Bewegungstechnik erreichen. In schweren Fällen muss die ungünstige Tätigkeit jedoch reduziert oder ganz eingestellt werden. Wird der Daumen beruflich stark belastet, hilft es häufig, die Ergonomie des Arbeitsplatzes zu verbessern (wie unter Sehnenscheidenentzündung besprochen).

Weiterführende Informationen

  • www.lowka-haende.de – Informative Internetseite einer handchirurgischen Praxis aus Freiburg: Mit Diagnostik und Therapiemöglichkeiten der Tendovaginitis de Quervain.

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